Dekubitus
Druckverletzungen entstehen meist nicht durch einen einzelnen Auslöser, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Besonders wichtig sind Druck, Scherkräfte, eingeschränkte Beweglichkeit, verminderte Durchblutung, reduzierte Haut- und Gewebetoleranz, Mangelernährung sowie Feuchtigkeit und Wärme an der Haut. Viele Druckverletzungen können verhindert werden, wenn Risiken früh erkannt und passende Maßnahmen konsequent umgesetzt werden.
Der wichtigste Grundsatz lautet: Druck muss regelmäßig reduziert oder umverteilt werden. Keine Matratze, Auflage oder Spezialunterlage ersetzt die regelmäßige Beobachtung, Entlastung und Umpositionierung gefährdeter Körperstellen vollständig. Wie oft eine Person umpositioniert werden soll, hängt nicht nur von einem fixen Zeitintervall ab, sondern vom individuellen Risiko, der Mobilität, dem Hautzustand, dem klinischen Zustand, dem Komfort, den Pflegezielen und der verwendeten Unterlage.
Besonders gefährdete Körperstellen wie Kreuzbein, Fersen, Sitzbeinhöcker, Trochanter, Hinterkopf und Bereiche unter medizinischen Geräten müssen gezielt beachtet werden. Fersen sollten bei gefährdeten Personen möglichst druckfrei gelagert werden. Beim Sitzen sind eine passende Sitzunterlage, eine stabile Position, regelmäßige Gewichtsverlagerung und eine begrenzte Sitzdauer wichtig, wenn sich die Person nicht selbst ausreichend entlasten kann.
Zur Prävention gehören mehrere Maßnahmen gleichzeitig: regelmäßige Hautinspektion, strukturierte Hautpflege, geeignete Unterstützungsoberflächen, druck- und scherarme Positionierung, frühe Mobilisation, ausreichende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr sowie Schulung und Einbindung der betroffenen Person und ihrer Bezugspersonen. Bei Mangelernährung oder einem entsprechenden Risiko braucht es ein gezieltes Ernährungsscreening und gegebenenfalls weitere ernährungstherapeutische Maßnahmen.
In Bereichen mit besonders hohem Risiko, etwa Intensivstation, Operationsbereich, Pädiatrie, Neonatologie, Palliativversorgung oder bei Personen mit Rückenmarksverletzung, müssen die allgemeinen Prinzipien an die jeweilige Situation angepasst werden. In der Intensivpflege sind Druckverletzungen oft nicht nur ein Positionierungsproblem, sondern hängen auch mit Perfusionsstörungen, kritischer Erkrankung und reduzierter Gewebetoleranz zusammen.
Entscheidend ist nicht eine einzelne Maßnahme, sondern ein individuell angepasstes Präventionsbündel: Risiko erkennen, Haut beobachten, Druck entlasten, Bewegung ermöglichen, passende Hilfsmittel einsetzen, Ernährung mitdenken und Maßnahmen regelmäßig überprüfen.
Ziel der Prävention ist die Erhaltung der Haut- und Gewebeintegrität. Die Förderung der Hautintegrität ist dabei zentral für die Vorbeugung von Hautschäden.
Zu den grundlegenden Strategien zählen:
- Strukturierte Hautpflegeroutinen
- Förderung einer angemessenen Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
- Mobilisierung
- Prävention und Behandlung weiterer Hautzustände (z. B. intertriginöse Dermatitis, inkontinenzassoziierte Dermatitis)
Regelmäßige Hautpflege bietet zudem die Gelegenheit zur systematischen Haut- und Gewebeinspektion, um Risikobereiche frühzeitig zu erkennen und den Präventionsplan entsprechend anzupassen.
Zahlreiche patient*innenbezogene Faktoren sind mit einem erhöhten Risiko für Druckverletzungen assoziiert. Dazu zählen unter anderem
- niedriger Body-Mass-Index (BMI)
- höheres Alter
- männliches Geschlecht
- Anämie
- Hypoalbuminämie
- Diabetes mellitus
- Hypotonie
- geringe körperliche Aktivität oder Immobilität
- bestehende Druckverletzungen
- Mangelernährung
- Sensibilitätsverlust
Darüber hinaus wurden behandlungsbedingte Faktoren wie eine längere Krankenhausverweildauer oder Intensivstationsaufenthalte mit einem erhöhten Risiko in Verbindung gebracht. [7]
Das Hautmikroklima (Temperatur, Feuchtigkeit und Luftströmung nahe der Hautoberfläche) wird als indirekter Risikofaktor diskutiert. Der direkte Einfluss des Mikroklimas auf die Entstehung von Druckverletzungen sowie die Wirksamkeit spezifischer Mikroklima-Interventionen ist derzeit jedoch nicht abschließend geklärt. [7]
Einige der genannten Risikofaktoren erfordern besondere Aufmerksamkeit in der pflegerischen Praxis, da sie spezifische präventive Maßnahmen oder eine differenzierte Einschätzung im Versorgungsalltag notwendig machen. Diese werden in den folgenden Abschnitten vertiefend dargestellt.
Quellen
Eine systematische Übersichtsarbeit von Wilson et al. (2021) untersuchte die Rolle von Schmerz als frühes Anzeichen für die Entwicklung von Druckgeschwüren bzw. Druckverletzungen. Die Ergebnisse zeigen konsistent, dass Schmerz nicht nur ein Begleitsymptom bestehender Läsionen ist, sondern potenziell ein früher klinischer Hinweis auf beginnende Gewebeschädigung.
In der Mehrzahl der eingeschlossenen Studien wurde eine Assoziation zwischen Schmerz und der späteren Entwicklung eines Druckgeschwürs beschrieben. Dabei wird angenommen, dass Schmerz durch frühe ischämische Prozesse und neuronale Reizungen entsteht, die bereits einsetzen können, bevor sichtbare Hautveränderungen auftreten.
Mehrere Studien berichteten, dass ein druckbereichsbezogener Schmerz an klinisch noch intakter oder nur gering veränderter Haut das Risiko für die Entwicklung eines Druckgeschwürs ≥ Kategorie 2 signifikant erhöht. Dies unterstützt die Hypothese, dass Gewebeschädigungen subkutan beginnen und erst verzögert sichtbar werden.
Die häufigste eingesetzte Messmethode war die Numerische Rating Skala (NRS). Allerdings verwendete etwa die Hälfte der Studien nicht-validierte Instrumente, was die Vergleichbarkeit und Aussagekraft der Ergebnisse einschränkt. Aufgrund methodologischer Heterogenität war keine Meta-Analyse möglich.
Trotz der Limitationen deutet die Evidenz darauf hin, dass Schmerz ein klinisch relevanter Frühindikator für die Entwicklung von Druckverletzungen sein kann. [8]
Quellen
Makro- und Mikronährstoffe sind für Wachstum, Erhaltung und Reparatur von Gewebe essenziell. Ein unzureichender oder gestörter Nährstoffstatus kann die Gewebeintegrität beeinträchtigen und das Risiko für Druckverletzungen erhöhen. Mangelernährung beschreibt dabei einen Zustand, bei dem ein Defizit, ein Überschuss oder ein Ungleichgewicht von Energie, Proteinen oder anderen Nährstoffen messbare negative Auswirkungen auf Gewebe, Körperfunktion und klinische Outcomes hat. Sie tritt bei Erwachsenen meist im Zusammenspiel von unzureichender oder erhöhter Nährstoffzufuhr und/oder beeinträchtigter Absorption, Transport und Nutzung von Nährstoffen auf. Auch hypermetabole, hyperkatabole oder entzündliche Zustände können den Ernährungsstatus negativ beeinflussen. Unbeabsichtigter Gewichtsverlust gilt als wichtiger klinischer Marker eines sich verschlechternden Ernährungszustands. Dabei ist es jedoch wichtig zu beachten, dass Mangelernährung unabhängig vom Körpergewicht bestehen kann. [14] [15]
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse von Chen et al. bestätigte diese Erkenntnisse und zeigte, dass mangelernährte Patient*innen ein signifikant erhöhtes Risiko aufweisen, eine Druckverletzung zu entwickeln (OR = 3,66; 95% CI: 2,77–4,83). Der Zusammenhang war im Krankenhaussetting stärker ausgeprägt als in der Langzeitpflege. [9]
Dies unterstreicht die besondere Relevanz des Ernährungsstatus in akutstationären und intensivmedizinischen Kontexten. Der Ernährungszustand beeinflusst die Gewebetoleranz, Regenerationsfähigkeit und immunologische Abwehr. Druckverletzungen sind daher nicht ausschließlich als mechanisches Problem zu verstehen, sondern entstehen im Zusammenspiel mit individueller Vulnerabilität.
Mehrere validierte Screening-Instrumente, z. B. Malnutrition Universal Screening Tool (MUST), Nutritional Risk Screening 2002 (NRS2002), Subjective Global Assessment (SGA) sowie die Mini Nutritional Assessment Short Form (MNA-SF), zeigten prädiktive Relevanz für die Entwicklung von Druckverletzungen. Ein strukturiertes Ernährungsscreening kann somit zur frühzeitigen Identifikation von Risikopersonen beitragen. Die Evidenz deutet zudem darauf hin, dass ernährungsbezogene Interventionen das Risiko reduzieren können, auch wenn der Effekt geringer ausfällt als der Risikozusammenhang selbst. [9]
Quellen
Kritisch kranke Patient*innen haben ein besonders hohes Risiko für Druckverletzungen. Neben mechanischer Druckbelastung spielen im intensivmedizinischen Kontext vor allem Störungen der Gewebeperfusion verminderte Widerstandsfähigkeit von Haut und Gewebe eine zentrale Rolle. Systematische Übersichtsarbeiten (Alderden et al., 2025; Teixeira et al., 2022) zeigen, dass Druckverletzungen bei Intensivpatient*innen typischerweise durch das Zusammenspiel von drei zentralen Risikodimensionen entstehen:
Damit werden jene Faktoren umfasst, die direkt mit Druck- und Scherbelastung sowie eingeschränkter Entlastung zusammenhängen. Im Zentrum steht hier die Immobilität – häufig bedingt durch Sedierung, Analgesie, Beatmung oder den Schweregrad der Erkrankung. Ergänzend wirken Druck- und Scherkräfte, die vor allem an knöchernen Vorsprüngen auftreten und durch begrenzte Eigenbewegung oder unzureichende Umlagerung kumulativ wirken. In der Intensivmedizin kommt hinzu, dass medizinische Geräte (z. B. Tuben, Katheter, Fixierungen, Halskrausen oder Schienen) selbst Druckpunkte erzeugen und Reibung oder Scherkräfte verstärken können. Diese mechanische Dimension beschreibt somit die unmittelbare äußere Belastung, der das Gewebe ausgesetzt ist, sowie die eingeschränkte Fähigkeit zur spontanen Entlastung.
Die Perfusionsdimension umfasst Faktoren, die die Gewebedurchblutung und Sauerstoffversorgung beeinträchtigen und damit die Toleranz gegenüber Druckbelastung deutlich reduzieren. Dazu zählen insbesondere der Einsatz von Vasopressoren sowie Zustände wie Hypotonie, Schock und hämodynamische Instabilität. Ergänzend wirken Hypoxämie und Anämie, da beide die Oxygenierung des Gewebes verringern und ischämische Prozesse begünstigen können. Gerade im ICU-Kontext wird damit deutlich, dass Druckverletzungen nicht ausschließlich als Folge äußerer Druckbelastung zu verstehen sind, sondern wesentlich durch die perfusionsabhängige „Gewebetoleranz“ mitbestimmt werden.
Im Sinne einer systemischen Vulnerabilität können Faktoren wie höheres Alter, Diabetes mellitus, ein hoher Schweregrad der Erkrankung, Multimorbidität oder Ernährungsdefizite die Widerstandsfähigkeit von Haut und Gewebe zusätzlich reduzieren. Diese Konstellation verdeutlicht, dass Druckverletzungen im intensivmedizinischen Setting nicht allein durch äußere Druckbelastung entstehen, sondern wesentlich durch eine reduzierte Gewebetoleranz infolge systemischer Erkrankungsprozesse. Neben diesen spezifischen Risikodimensionen wird im intensivmedizinischen Kontext zudem das Konzept der unvermeidbaren Druckverletzung diskutiert. Darunter versteht man Läsionen, die trotz konsequenter Umsetzung evidenzbasierter Präventionsmaßnahmen auftreten können, etwa bei schwerer hämodynamischer Instabilität, kritischen Perfusionsstörungen oder in der terminalen Phase einer Erkrankung. [21] [22]
Quellen
Wissen kompakt zu Interventionen zur Prävention von Druckverletzungen
folgt
Überlegungen zur Umsetzung (nach NPIAP/EPUAP/PPPIA, 2025)
- Ernährungsscreening frühzeitig und wiederholt durchführen: Führen Sie bei allen Personen bei Aufnahme ein Ernährungsscreening mit einem einfachen, validen und zuverlässig anwendbaren Instrument durch. Stellen Sie sicher, dass das Instrument zur jeweiligen Person und zum klinischen Kontext passt und von geschultem Personal korrekt angewendet wird. Wiederholen Sie das Screening bei wesentlichen Veränderungen des klinischen Zustands.
- Klare Wege für Ernährungsassessment und fachliche Einbindung schaffen: Richten Sie lokale Überweisungswege ein, damit bei ernährungsgefährdeten Personen rasch ein umfassendes Ernährungsassessment durch qualifizierte Fachpersonen erfolgen kann. Ziehen Sie bei Bedarf weitere Disziplinen hinzu, etwa bei Hinweisen auf Dysphagie oder andere ernährungsrelevante Probleme.
- Ernährungs- und Hydratationsstatus regelmäßig überwachen: Überwachen Sie den Ernährungszustand regelmäßig und passen Sie den Ernährungsplan entsprechend an. Achten Sie auch auf Anzeichen einer Dehydrierung, insbesondere bei klinischen Situationen oder Unterstützungsoberflächen, die unbemerkte Flüssigkeitsverluste begünstigen können.
- Ernährungspläne individualisiert und zielorientiert erstellen: Stellen Sie sicher, dass für die betroffene Person ein individueller Ernährungsplan durch entsprechend geschulte Fachpersonen erstellt wird. Richten Sie diesen an Pflegezielen, klinischem Zustand, demografischen Merkmalen, kulturellen und religiösen Aspekten, persönlichen Präferenzen sowie Ernährungsgewohnheiten aus.
- Umsetzungsbarrieren bei Ernährung früh erkennen: Berücksichtigen Sie bei der Planung auch praktische Hürden, etwa eingeschränkten Zugang zu nährstoffreichen Lebensmitteln, finanzielle oder logistische Barrieren sowie einrichtungs- und regionalspezifische Rahmenbedingungen.
- Mahlzeiten und orale Aufnahme aktiv unterstützen: Unterstützen Sie die betroffene Person bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme durch geeignete Maßnahmen, etwa durch gute Essensbedingungen, passende Körperhaltung, Zugang zu nährstoffreichen Lebensmitteln, kleinere häufigere Mahlzeiten und die Berücksichtigung funktioneller oder kognitiver Einschränkungen.
- Ursachen verminderter Nahrungsaufnahme gezielt behandeln: Erkennen und behandeln Sie Symptome und klinische Zustände, die die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen können, etwa Schmerzen, Übelkeit, gastrointestinale Beschwerden oder Dysphagie. Prüfen Sie auch, ob Diäteinschränkungen gelockert werden sollten, wenn sie die Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme vermindern.
- Flüssigkeitsbedarf individuell berechnen und anpassen: Berechnen Sie den Flüssigkeitsbedarf individuell und passen Sie ihn an klinische Verluste, Begleiterkrankungen, Proteinzufuhr und eingesetzte Unterstützungsoberflächen an. Berücksichtigen Sie, dass manche Personen Flüssigkeitsrestriktionen benötigen, während andere einen erhöhten Bedarf haben.
- Supplementierung stufenweise und bedarfsorientiert planen: Legen Sie Supplementierungsstrategien gemeinsam mit einer ernährungsmedizinisch qualifizierten Fachperson fest. Priorisieren Sie dabei zunächst die Optimierung der normalen oralen Ernährung, dann angereicherte Lebensmittel, orale Nahrungsergänzung und erst danach enterale oder parenterale Unterstützung.
- Nahrungsergänzungen individuell auswählen und akzeptanzfördernd einsetzen: Wählen Sie Supplemente nach dem gesamten Ernährungsbedarf, dem klinischen Zustand und der Verträglichkeit der Person aus. Geben Sie sie möglichst zwischen den Mahlzeiten oder nach Bedarf und berücksichtigen Sie Präferenzen zu Geschmack, Textur, Temperatur, Konsistenz und Vielfalt, um die Akzeptanz zu verbessern. Eine ausreichend lange Anwendungsdauer vor der Neubewertung sollte eingeplant werden.
- Proteinzufuhr an Bedarf und Sicherheit anpassen: Berücksichtigen Sie bei der Entscheidung über Proteinsupplementierung auch die gesamte Energiezufuhr. Stellen Sie eine ausreichende Proteinzufuhr sicher, prüfen Sie jedoch vor und während höherer Proteingaben die Nierenfunktion und passen Sie die Zufuhr bei Veränderungen des klinischen Zustands erneut an.
- Energie- und Makronährstoffbedarf individualisiert berechnen: Berechnen Sie Energie- und Makronährstoffbedarf anhand einschlägiger Ernährungsleitlinien, die zum klinischen und demografischen Profil der Person passen. Nutzen Sie nach Möglichkeit indirekte Kalorimetrie; falls dies nicht verfügbar ist, können geeignete Formeln oder gewichtsbasierten Schätzungen herangezogen werden.
- Enterale oder parenterale Ernährung sorgfältig abwägen und überwachen: Besprechen Sie Vor- und Nachteile enteraler oder parenteraler Ernährung mit der betroffenen Person und informellen Betreuungspersonen und berücksichtigen Sie dabei Autonomie, Nutzen, Schadensvermeidung und Gerechtigkeit. Wenn enterale Ernährung eingesetzt wird, sollte sie qualifiziert überwacht, täglich auf Verträglichkeit geprüft und auch im Hinblick auf druck- oder schleimhautbedingte Geräteschäden beobachtet werden.
- Besondere Bedarfe spezifischer Personengruppen beachten: Berücksichtigen Sie besondere Anforderungen bei älteren Menschen, kritisch kranken Personen, Kindern und Neugeborenen, Personen mit dunkler Hautfarbe sowie Menschen mit Rückenmarksverletzungen. Assessment, Hydratationsbeurteilung, anthropometrische Überwachung, Protein- und Energiebedarf sowie Art der Nährstoffzufuhr sollten an die jeweilige Personengruppe angepasst werden.
- In der Palliativversorgung Komfort und Präferenzen priorisieren: Richten Sie Ernährungsentscheidungen in der Sterbephase und Palliativversorgung vorrangig an Komfort, Symptomkontrolle, Prognose und den Wünschen der betroffenen Person aus. Wenn zusätzliche Ernährung das Wohlbefinden nicht verbessert oder belastend ist, sollte sie nicht priorisiert werden. Sorgen Sie in jedem Fall für eine gute Mundpflege.
Quellen
Good Practice Statement
Es ist gute Praxis, Personen mit Risiko für Druckgeschwüre umzupositionieren – unabhängig von der Art der druckumverteilenden Unterlage, die verwendet wird. Die Intervalle zwischen den Umpositionierungen können angepasst werden, abhängig von den druckumverteilenden Fähigkeiten der Unterlage und der Reaktion der jeweiligen Person. Dennoch kann keine Unterlage das Umpositionieren vollständig ersetzen. [5]
Es ist gute Praxis, die Person so umzupositionieren, dass eine optimale Entlastung der Druckstellen und eine maximale Druckumverteilung erzielt werden. [5]
Eine mechanische Belastung des Gewebes ist eine notwendige Voraussetzung für die Entstehung von Druckverletzungen. Längeres Liegen oder Sitzen auf einer Körperregion ohne Druckentlastung führt zu Gewebeverformung und kann bei Überschreiten von Belastungsschwellen zu Gewebeschädigung führen. [28]
Repositionierung und Mobilisation sind zentrale präventive Maßnahmen zur Reduktion von Druckbelastung und Gewebedeformation bei Personen mit Risiko für Druckverletzungen. Personen mit Druckverletzungsrisiko sollen daher regelmäßig umpositioniert werden, unabhängig von der verwendeten druckumverteilenden Unterlage. Auch bei Einsatz spezialisierter Auflagen kann eine Repositionierung nicht vollständig ersetzt werden. Die Intervalle zwischen den Repositionierungen können jedoch an die Eigenschaften der verwendeten Unterlage sowie an die individuelle Reaktion der Person angepasst werden. Dabei soll die Repositionierung so erfolgen, dass eine möglichst effektive Entlastung gefährdeter Körperstellen und eine optimale Druckumverteilung erreicht werden. [5]
Durch Repositionierung werden sowohl die Dauer als auch die Intensität der Druckbelastung auf gefährdete Gewebe reduziert. Die Maßnahme ermöglicht wiederkehrende Phasen der Druckentlastung und damit eine Regeneration des Gewebes. Daher gilt Umpositionierung zweifelsfrei als beste Methode zur Prävention von Druckgeschwüren. [25] [31]
Eine optimale Entlastung bezieht sich auf Strategien oder Techniken, die den Druck von den Druckstellen auf das umliegende Gewebe umverteilen und so das Risiko einer kritischen Gewebedeformation und Ischämie minimieren. Eine Repositionierung umfasst dabei sowohl einen vollständigen Körperpositionierungswechsel als auch kleinere Lageveränderungen einzelner Körperregionen oder Mikrobewegungen, wenn ein vollständiger Positionswechsel nicht möglich ist. Die Wirksamkeit einzelner Repositionierungsstrategien ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von Anatomie, Körperhaltung und vorhandenen Deformitäten ab. Eine Position, die bei einer Person eine wirksame Druckentlastung bewirkt, kann für eine andere Person ungeeignet sein. Daher erfordert die Prävention eine individuelle Planung und Anpassung der Repositionierungsmaßnahmen. [30] [33] [34]
Quellen
Quellen
Erstellen Sie gemeinsam mit der betroffenen Person, informellen Pflegepersonen und dem interprofessionellen Team einen individuellen Umpositionierungsplan, der Pflegeziele, Mobilität, Risiken sowie den gesamten 24-Stunden-Tagesablauf (Liegen, Sitzen, Schlafen) berücksichtigt.
Überprüfen Sie bei jeder Umpositionierung die Druckentlastung der zuvor belasteten Körperstellen und beurteilen Sie gleichzeitig Körperausrichtung, Haltung und Komfort der Person.
Beurteilen Sie Schmerzen vor und nach der Umpositionierung und berücksichtigen Sie gegebenenfalls eine analgetische Behandlung, um die Durchführung der Umpositionierung zu erleichtern.
Nutzen Sie geeignete Positionierungshilfen, um Druck zu entlasten, Körpersymmetrie zu unterstützen und den Komfort zu verbessern. Achten Sie darauf, dass Hilfsmittel keine neuen Druckstellen verursachen.
Stellen Sie sicher, dass sich keine Gegenstände oder medizinischen Geräte unter der Person befinden und positionieren Sie vorhandene Geräte so, dass kein zusätzlicher Druck oder Reibung entsteht.
Ermutigen Sie Personen mit ausreichender Mobilität zur regelmäßigen Selbstumpositionierung und überprüfen Sie, ob die angewendeten Techniken Druckpunkte tatsächlich entlasten und Scherkräfte vermeiden.
Good Practice Statement
Es ist gute Praxis, alle Personen mit Druckgeschwüren oder einem Risiko dafür nach einem individuellen Schema umzupositionieren. [5]
Es ist bewährte Praxis, angemessene/geeignete und individuelle Intervalle zur Umpositionierung auf der Grundlage eines umfassenden Assessments der folgenden Faktoren für die jeweilige Person festzulegen/zu bestimmen: [5]
- Aktivitäts- und Mobilitätsgrad,
- Fähigkeit zur selbständigen Umpositionierung,
- Haut- und Gewebetoleranz,
- Klinischer Zustand,
- Komfort,
- Schlafmuster,
- Pflegeziele und
- Art der verwendeten Druckentlastungsauflage.
Es ist gute Praxis, auf Anzeichen einer beginnenden Haut- und Gewebeschädigung zu achten, die darauf hindeuten können, dass die Person häufiger umpositioniert oder bevorzugt so positioniert werden muss, dass die geschädigten Bereiche entlastet werden.
Bedingte Empfehlung
sehr geringe Evidenzsicherheit: Es wird empfohlen, dass bei den meisten Personen mit einem Risiko für Druckgeschwüre eine Umpositionierung in Abständen von zwei oder drei Stunden durchgeführt werden könnte – vorausgesetzt, sie liegen auf einer geeigneten druckverteilenden Ganzkörperunterlage [5]
sehr geringe Evidenzsicherheit: Es wird empfohlen, die Umpositionierungsintervalle für Personen mit einem Risiko für Druckgeschwüre nicht routinemäßig auf vier, fünf oder sechs Stunden zu verlängern. [5]
sehr geringe Evidenzsicherheit: Es wird empfohlen, dass die Dauer des Sitzens außerhalb des Bettes für Personen mit Risiko für Druckverletzungen, die sich im Sitzen nicht selbst neu positionieren können, so weit wie möglich begrenzt werden sollte. [5]
Bedingte Empfehlung
Good Practice Statement
Es ist empfehlenswert, Personen, die einem Risiko für Druckgeschwüre ausgesetzt sind und außerhalb des Bettes sitzen, häufig umzupositionieren. Unterweisen und ermutigen Sie selbstständige Rollstuhlfahrer*innen, sich so oft wie möglich umzupositionieren, indem sie Druckumverteilungsmanöver und Gewichtsverlagerungen durchführen, die den Druck so weit wie möglich umverteilen. [5]
Die Festlegung der Umpositionierungsfrequenz sollte individualisiert erfolgen. Für die Überlegenheit eines individualisierten Umpositionierungsplans gegenüber einem festen Standardprogramm liegen keine direkten Vergleichsstudien vor. Dennoch sprechen die Leitlinie und die zugrunde liegende Literatur dafür, die Umpositionierungsintervalle auf Basis einer umfassenden Risiko- und Hautbeurteilung sowie unter Berücksichtigung von Komfortbedürfnissen und Pflegezielen festzulegen. Dabei sind insbesondere Aktivitäts- und Mobilitätsgrad, die Fähigkeit zur Selbstumpositionierung, die Haut- und Gewebetoleranz, der klinische Zustand sowie die Eigenschaften der verwendeten druckverteilenden Unterlage relevant. Ausschlaggebend für die Wahl der Umpositionierungsfrequenz sollte letztlich immer die Reaktion von Haut und Gewebe auf Druckbelastung sein. [86]
Für die Frage, ob eine Umpositionierung im Abstand von zwei oder drei Stunden günstiger ist, liegt nur sehr unsichere Evidenz vor. Zwei randomisierte kontrollierte Studien aus Pflegeheimen mit reaktiven Schaumstoff-Ganzkörperauflagen zeigten keinen signifikanten Unterschied in der Inzidenz von Druckverletzungen zwischen zweistündlicher und dreistündlicher Umlagerung. Die Ergebnisse waren statistisch nicht signifikant und aufgrund von Bias-Risiko und Ungenauigkeit mit sehr geringer Evidenzsicherheit behaftet. Auch schwerere Druckverletzungen wurden in diesen Studien nicht beobachtet. [353] [200]
Einzelne Studien deuten darauf hin, dass kürzere Intervalle in bestimmten Settings mit einer geringeren Inzidenz von Druckverletzungen verbunden sein könnten, während andere Studien keine Unterschiede zeigen. Insgesamt ergibt sich daraus kein belastbarer Hinweis, dass längere Standardintervalle routinemäßig sicher sind. [204] [339]
Auch für die routinemäßige Verlängerung der Umpositionierungsintervalle auf vier, fünf oder sechs Stunden ist die Evidenz unsicher. In Metaanalysen randomisierter Studien zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Druckverletzungsinzidenz zwischen zweistündlicher und längeren Umlagerungsintervallen, die Evidenzsicherheit war jedoch sehr gering. [353] [339] [246] [316] [268] [200]
Die Evidenz spricht daher für ein individualisiertes Vorgehen statt für starre Standardintervalle. Eine schrittweise Verlängerung der Umpositionierungsintervalle kann in Einzelfällen erwogen werden, wenn das Risiko für Druckverletzungen sinkt, eine wirksame Selbstumpositionierung möglich ist und Haut- und Gewebestatus stabil bleiben. Umgekehrt kann bei kritisch kranken Personen, bei Hypoperfusion oder Schockzuständen eine häufigere und gegebenenfalls schrittweise Umpositionierung notwendig sein. Auch in palliativen oder terminalen Situationen sollten Umlagerungsintervalle an Pflegeziele und Komfortbedürfnisse angepasst und mit den Betroffenen besprochen werden. [86]
Neben der Druckverletzungsinzidenz sind auch unerwünschte Effekte häufiger Umlagerungen zu berücksichtigen. Kürzere Umlagerungsintervalle können mit Schlafunterbrechungen, Muskel-Skelett-Schmerzen, Wundschmerzen und einem erhöhten Verletzungsrisiko für das Personal verbunden sein. [302] [339] [128] [219]
Vergleichende Studien zeigten hingegen keine Unterschiede hinsichtlich Mortalität, Dauer des Intensivaufenthalts oder Dauer der mechanischen Beatmung in Abhängigkeit von der Umlagerungsfrequenz. [316]
Auch organisatorische und ökonomische Aspekte spielen eine Rolle. Die Umsetzbarkeit sehr häufiger Umpositionierungen ist je nach Setting unterschiedlich; in Studien war die Compliance des Personals bei Intervallen von drei oder vier Stunden teilweise höher als bei zweistündlicher Umpositionierung. Wirtschaftliche Analysen deuten darauf hin, dass eine Verlängerung von zweistündigen auf dreistündige Intervalle kosteneffizienter sein kann, sofern dies klinisch vertretbar ist. Diese Überlegungen ändern jedoch nichts daran, dass die Entscheidung über die Umlagerungsfrequenz immer individuell und unter Berücksichtigung des klinischen Gesamtbildes getroffen werden sollte. [200] [316] [328]
Auch bei sitzenden Personen spielen Druck- und Scherkräfte eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Druckverletzungen. Besonders gefährdet sind Personen, die über längere Zeit außerhalb des Bettes sitzen und gleichzeitig eine eingeschränkte Mobilität, asymmetrische oder ungestützte Sitzhaltungen oder eine reduzierte sensorische Wahrnehmung aufweisen. Dazu zählen unter anderem Personen mit Rückenmarksverletzungen, neurologischen Erkrankungen, kognitiven Einschränkungen sowie ältere Menschen. Für die Prävention von Druckverletzungen im Sitzen sind mehrere Faktoren relevant, insbesondere die Dauer der Sitzzeit, die Eigenschaften der Sitzfläche beziehungsweise des Stuhls oder Rollstuhls, die Art der Positionierung und Unterstützung des Körpers sowie Strategien zur Druckentlastung und Neupositionierung während des Sitzens. [5]
Eine randomisierte kontrollierte Studie zeigte, dass eine Begrenzung der Sitzdauer außerhalb des Bettes auf zwei Stunden mit einer deutlich geringeren Inzidenz von Druckgeschwüren verbunden war als eine unbegrenzte Sitzdauer (6,7 % vs. 63 %; RR 0,11; 95 % KI 0,03–0,42). Die Evidenzsicherheit dieser Ergebnisse ist jedoch sehr gering, da die Studie ein hohes Risiko für Bias aufweist und nur eine spezifische Population älterer orthopädischer Patient*innen untersucht wurde. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass eine strikte Begrenzung der Sitzdauer negative Auswirkungen auf soziale Teilhabe und Alltagsaktivitäten haben kann, weshalb ein Gleichgewicht zwischen Prävention und psychosozialen Bedürfnissen erforderlich ist. [155]
Die optimale Dauer des Sitzens sowie geeignete Strategien zur Neupositionierung im Sitzen lassen sich derzeit nicht eindeutig aus Vergleichsstudien ableiten. Beobachtungsstudien zeigen jedoch, dass sich die Sitzhaltung mit zunehmender Sitzdauer verschlechtern kann (Barks et al., 2021). Untersuchungen zur Haut- und Gewebedurchblutung weisen darauf hin, dass bereits nach etwa zehn Minuten Sitzen selbst bei Verwendung druckentlastender Sitzkissen eine ischämische Reaktion auftreten kann. [274]
Da Druckverteilung, Gewebereaktion und individuelle Bewegungsmuster zwischen Personen stark variieren, spricht die Evidenz insgesamt auch bei sitzenden Personen für einen individualisierten Ansatz bei der Planung von Sitzdauer und Druckentlastungsstrategien. [5]
Quellen
- Repositionsfrequenz individuell festlegen: Bewerten Sie im Rahmen jedes Risikoassessments den Aktivitätsgrad, die Mobilität, die Fähigkeit zur Selbstumpositionierung, den klinischen Zustand, die Haut- und Gewebetoleranz sowie die Prioritäten und Pflegeziele der Person, um die Umpositionierungsfrequenz bedarfsgerecht festzulegen.
- Spontane Bewegungen berücksichtigen: Achten Sie auf spontane und episodische Bewegungen der Person und beurteilen Sie, ob diese ausreichen, um eine wirksame Druckentlastung zu erreichen. Das individuelle Bewegungsschema kann helfen, einen geeigneten Präventionsplan abzuleiten.
- Haut- und Gewebezustand engmaschig überwachen: Kontrollieren Sie Haut und Gewebe bei jeder Umpositionierung. Frühe Anzeichen einer Schädigung, wie Schmerzen, Erytheme, Pigmentveränderungen, Ödeme oder Temperaturveränderungen, können eine häufigere Umlagerung und eine gezielte Entlastung betroffener Areale erforderlich machen.
- Betroffene und Angehörige einbeziehen: Beziehen Sie die betroffene Person und informelle Betreuungspersonen in Entscheidungen über die Umpositionierungsfrequenz ein und besprechen Sie Nutzen, Risiken und mögliche Konflikte, etwa zwischen ungestörtem Schlaf und häufigerer Druckentlastung.
- Verlängerung von Umpositionierungsintervallen sorgfältig prüfen: Wenn Umpositionierungsintervalle verlängert werden sollen, sollte zuvor sichergestellt sein, dass eine geeignete druckverteilende Unterlage vorhanden ist und veränderbare Risikofaktoren, etwa Ernährungsdefizite, berücksichtigt wurden. Die Entscheidung sollte regelmäßig anhand des Haut- und Gewebestatus überprüft werden.
- Umpositionierung systematisch dokumentieren: Dokumentieren Sie Zeitpunkt, Häufigkeit und Art der Umpositionierung sowie die dabei beobachteten Befunde, insbesondere den Zustand von Haut und Gewebe.
- Selbstrepositionierung fördern und überwachen: Personen, die sich selbst umpositionieren können, sollten über aktive Ganzkörperrepositionierungen, Gewichtsverlagerungen und Druckentlastungsmanöver informiert und dazu ermutigt werden. Häufigkeit und Qualität der Selbstrepositionierung sollten beobachtet werden, um den Bedarf an unterstützter Umpositionierung einschätzen zu können. Bewegungssensoren können dabei ergänzend eingesetzt werden.
- Fachliche Abklärung bei längerem Sitzen: Überweisen Sie Personen, die längere Zeit in einem Stuhl oder Rollstuhl verbringen, an Fachpersonen mit spezifischer Expertise im Bereich Dekubitusprävention (z. B. Ärzt*innen, Physiotherapeut*innen, Ergotherapeut*innen). Ein interdisziplinärer Ansatz unterstützt eine individuelle Anpassung von Sitzposition, Hilfsmitteln und Präventionsmaßnahmen.
- Positionswechsel zwischen Bett und Sitzen einplanen: Integrieren Sie unterschiedliche Positionen im Tagesverlauf, beispielsweise Wechsel zwischen Liegen und Sitzen. Das Sitzen außerhalb des Bettes in einer gut gestützten Position kann das Risiko für Druckverletzungen reduzieren, insbesondere im Vergleich zu einer längerfristigen Lagerung mit stark erhöhtem Kopfteil im Bett.
- Sitzdauer begrenzen, wenn Selbstrepositionierung eingeschränkt ist: Bei Personen in der frühen postoperativen Phase, zu Beginn der Rehabilitation oder bei eingeschränkter Selbstrepositionierung kann eine Begrenzung der Sitzdauer auf etwa zwei Stunden pro Sitzung das Risiko für Druckverletzungen reduzieren.
- Aktive Druckentlastung beim Sitzen fördern: Ermutigen Sie Personen, die außerhalb des Bettes sitzen, regelmäßig Gewichtsverlagerungen oder Druckentlastungsmanöver durchzuführen und – sofern verfügbar – dynamische Positionierungsfunktionen von Stühlen oder Rollstühlen zu nutzen.
- Sitzen mit anderen Pflegebedürfnissen abstimmen: Koordinieren Sie Sitzphasen mit anderen pflegerischen Maßnahmen, etwa mit dem aufrechten Sitzen während und nach enteraler Ernährung.
- Betroffene Personen und Angehörige informelle Betreuungspersonen einbeziehen: Beziehen Sie die betroffene Person und ihre informellen Betreuungspersonen in Entscheidungen zur Sitzdauer und Umpositionierung ein und besprechen Sie Nutzen, Risiken und mögliche Strategien der Druckentlastung.
- Sitzplan individuell anpassen: Berücksichtigen Sie bei der Planung von Sitzzeiten funktionelle Fähigkeiten, Lebensstil und Alltagsaktivitäten der Person.
- Kognitive und sensorische Einschränkungen berücksichtigen: Achten Sie auf Einschränkungen, die die Fähigkeit zur selbstständigen Druckentlastung beeinflussen können.
- Selbstpositionierung im Alltag unterstützen: Fördern Sie regelmäßige Positionswechsel, indem Sie Druckentlastungsmaßnahmen in den Tagesablauf integrieren, beispielsweise durch natürliche Aktivitätspausen oder Bewegungsimpulse.
- Selbstrepositionierung beobachten: Beurteilen und überwachen Sie, ob Selbstrepositionierungsstrategien tatsächlich zu einer ausreichenden Druckentlastung führen und Scher- oder Reibungskräfte vermeiden.
- Druckentlastungsstrategien individuell anpassen: Passen Sie Druckentlastungsmanöver an die körperlichen Fähigkeiten und Kraftressourcen der Person an.
- Vielfalt von Druckentlastungsmanövern fördern: Fördern Sie unterschiedliche Formen der Druckentlastung, um eine gleichmäßige Druckverteilung zu unterstützen.
- Alltagsaktivitäten aufrechterhalten: Ermutigen Sie Rollstuhlfahrer*innen, ihre funktionellen Alltagsaktivitäten beizubehalten, da Bewegungen im Alltag zu natürlichen Gewichtsverlagerungen und Druckentlastung beitragen.
- Feedbacksysteme erwägen: Druckmesssysteme können genutzt werden, um Feedback zur Notwendigkeit und Wirksamkeit von Druckentlastungsmanövern zu geben. Rollstuhlfahrer*innen überschätzen ihre tatsächliche Repositionsaktivität häufig.
Quellen
Good Practice Statement
Es ist gute Praxis, bei der Umlagerung von Personen spezielle Hilfsmittel zu verwenden, die Reibung und Scherkräfte reduzieren. Ist eine manuelle Unterstützung erforderlich, sollten Techniken angewendet werden, die Reibung und Scherkräfte minimieren. [5]
Bedingte Empfehlung
Bedingte Empfehlung, geringe Evidenzsicherheit: [5]
Es wird empfohlen, die Kopfteilhöhe auf 30 Grad oder weniger einzustellen, um das Auftreten von Druckgeschwüren zu vermeiden. In bestimmten klinischen Situationen kann jedoch eine höhere Kopfteilhöhe erforderlich sein (z. B. bei Personen mit erhöhtem Aspirationsrisiko). [5]
Good Practice Statement
Es ist empfehlenswert, sitzende Personen so zu positionieren, dass Druck, Scherkräfte und Reibung reduziert werden. Dazu gehört: [5]
- die Auswahl eines Stuhls oder Rollstuhls, der Halt bietet und Stabilität gewährleistet,
- die Wahl einer zurückgelehnten Sitzposition, in der die Beine der Person angehoben und gestützt sind, sodass die Fersen frei von der Auflagefläche sind oder, wenn eine zurückgelehnte Position nicht angemessen oder möglich ist, sicherzustellen, dass die Füße der Person gut gestützt sind und/oder
- die Verwendung einer dynamischen Gewichtsverlagerung (Kippen und Zurücklehnen)
Grundsätze für sicheres manuelles Arbeiten und Heben sollen angewendet werden, um die Sicherheit der betroffenen Person, informeller Pflegepersonen und des Pflegeteams zu gewährleisten. [425]
Bei der Auswahl manueller Hebehilfsmittel soll darauf geachtet werden, Druck- und Scherkräfte auf die Haut zu vermeiden.
Spezielle Hilfsmittel wie mechanische Hebevorrichtungen, Transferlaken, Drehsysteme, reibungsarme Stoffe, Drehhilfen und Drehassistenzfunktionen an Betten sowie manuelle Handhabungstechniken zur Reduktion von Reibung und Scherkräften sollen verfügbar sein und eingesetzt werden. Die dafür angeführte Evidenz umfasst unterschiedliche Studientypen und Endpunkte, darunter Repositionierungs-Compliance, Interface-Druck, Turn-Effektivität, Nutzerakzeptanz und Qualitätsindikatoren; sie bezieht sich damit nicht durchgängig auf klinische Endpunkte wie das Auftreten von Druckgeschwüren. [23] [365] [97] [295] [408] [92] [413] [129] [159]
Beobachtungsdaten zeigen, dass die 30-Grad-Seitenlage im Vergleich zur 90-Grad-Seitenlage mit geringerem Auflagedruck und höherem transkutanem Sauerstoffgehalt des Gewebes verbunden ist. Dabei handelt es sich um Surrogatparameter und nicht um direkte klinische Endpunkte wie das Auftreten schwerer Druckverletzungen. [372]
Die Evidenz wurde wegen sehr hohen Risikos für Bias, Inkonsistenz und Ungenauigkeit herabgestuft. [339]
Die 30-Grad-Seitenlage ist nicht in allen Settings gleichermaßen zugänglich oder durchführbar. Nach Einschätzung der Leitlinien-Expert*innengruppe kann die Umsetzung insbesondere im häuslichen/extramuralen Setting durch fehlende Positionierungshilfen oder Unterstützung erschwert sein. Auch bei Menschen mit Adipositas oder Übergewicht kann die Position schwierig zu erreichen und aufrechtzuerhalten sein. Studien zeigen zudem, dass Personen zwischen den Umpositionierungen trotz Positionierungshilfen selbstständig in die Rückenlage zurückwechseln können. Diese Aussagen betreffen vor allem die Umsetzbarkeit und nicht primär robuste Wirksamkeitsevidenz. [190] [268] [347]
Eine Meta-Analyse von vier RCTs bei mechanisch beatmeten intensivpflichtigen Patient*innen zeigte, dass bei einer Begrenzung der Kopfteilanhebung auf maximal 30 Grad im Vergleich zu 45 Grad oder mehr möglicherweise weniger Druckgeschwüre auftreten (OR 0,59; 95 % KI 0,36–0,97; p = 0,04), bei geringem Vertrauen in die Effektschätzung. Die Evidenz wurde wegen Bias und Ungenauigkeit herabgestuft. Gleichzeitig traten bei niedrigerem Kopfende unerwünschte Effekte häufiger auf, darunter beatmungsassoziierte Pneumonie und gastroösophagealer Reflux. Alle eingeschlossenen Studien wurden in intensivmedizinischen Settings und über einen Zeitraum von höchstens einer Woche durchgeführt. [273]
Insgesamt ist dabei nicht außer Acht zu lassen, dass die Kopfteilanhebung auch Komfort, Lebensqualität und Akzeptanz beeinflussen kann. Die Steuerungsgruppe der aktuellen Leitlinie von NPIAP/EPUAP/PPIA betonte zudem, dass die Höhe des Kopfendes nicht allein nach dem Druckgeschwürrisiko, sondern auch nach anderen klinischen Erfordernissen festgelegt werden muss. Diese Aussagen beruhen teilweise auf Einschätzungen von Expert*innen- und Betroffenen. [5]
Für Sitzpositionen liegen keine direkten Vergleichsdaten zu klinischen Endpunkten der Druckgeschwürprävention vor. Studien zeigen jedoch, dass der Auflagedruck an Sitzbeinhöckern, Sacrum und Rücken durch Fußstützen, aufrechtes Sitzen sowie durch zurückgelehntes Sitzen, Sitzneigung oder eine Kombination aus Kippen und Zurücklehnen reduziert werden kann. [103] [313] [223] [423]
Zudem wurde gezeigt, dass die Hautdurchblutung zunimmt, wenn eine Neigung im Raum mit einer zurückgelehnten Position kombiniert wird. [311]
Für Personen, die außerhalb des Bettes sitzen, wurde ein exemplarisches Vorgehen zur Druckverteilung beschrieben, dass Druckumverteilungsmaßnahmen etwa alle 10 Minuten für mindestens 30 Sekunden sowie eine Kombination verschiedener Maßnahmen wie Neigung nach hinten, seitliche Neigung, Neigung nach vorne oder Hochdrücken vorsieht. [322] [6]
Dabei handelt es sich um ein beschriebenes Vorgehen aus der Literatur und nicht um robuste direkte Wirksamkeitsevidenz zur Prävention von Druckgeschwüren.
Quellen
- Präferenzen, Sicherheit und Verfügbarkeit von Hilfsmitteln berücksichtigen: Berücksichtigen Sie bei der Auswahl manueller Handhabungstechniken und Hebehilfsmittel die Erfahrungen, Präferenzen sowie mögliche Ängste, Schmerzen oder Unannehmlichkeiten der betroffenen Person. Stellen Sie sicher, dass geeignete Hilfsmittel leicht zugänglich, in gutem Zustand und entsprechend Körpergewicht, Körpermaßen und sicherer Arbeitskapazität einsetzbar sind.
- Sichere manuelle Handhabung organisatorisch absichern: Entwickeln Sie lokale Verfahren und Richtlinien für sichere Transfers und Umpositionierungen, etwa zur Auswahl geeigneter Hilfsmittel, zur erforderlichen Anzahl an Mitarbeitenden und zu standardisierten Abläufen. Sofern möglich, kann ein spezialisiertes Team mit Expertise in manueller Handhabung die Qualität der Umpositionierung verbessern und zugleich das Verletzungsrisiko für das Personal senken.
- Reibung und Scherkräfte konsequent minimieren: Heben Sie Personen beim Umpositionieren möglichst an, statt sie zu ziehen, und verwenden Sie gleit- bzw. reibungsreduzierende Transferhilfen. Achten Sie besonders auf gefährdete Areale wie die Fersen. Nach der Umpositionierung sollte überprüft werden, ob Unterlagen, Laken oder andere Materialien an der Haut ziehen; Scherkräfte können etwa durch Lockern von Laken oder gezielte Entlastung reduziert werden. Manuelle Hebehilfen sollten nach Gebrauch nicht unter der Person verbleiben, sofern sie nicht ausdrücklich dafür vorgesehen sind.
- Positionierungshilfen gezielt einsetzen und auf Wirksamkeit prüfen: Verwenden Sie geeignete Positionierungshilfen, um Positionierungen zuverlässig beizubehalten und Druck wirksam umzuverteilen. Achten Sie darauf, dass Hilfsmittel zur Person passen und auch bei höherem Gewicht oder längerer Liegedauer ihre stützende Funktion behalten. Zusätzlich sollten auch gefährdete Kontaktstellen wie Knie, Knöchel und Fersen gezielt entlastet werden.
- Automatisierte Dreh- und Lagerungssysteme kritisch abwägen: Automatische Drehassistenz- oder Seitenlagerungssysteme können den personellen Aufwand reduzieren und die Arbeitssicherheit unterstützen, insbesondere bei häufigen Umpositionierungen oder begrenzter Unterstützung. Ihr Nutzen für die Druckentlastung ist jedoch begrenzt zu prüfen, da nicht immer eine vollständige Entlastung ohne Scherkräfte erreicht wird. Haut- und Gewebestatus sollten daher weiterhin regelmäßig kontrolliert werden.
- Selbstumpositionierung fördern: Stellen Sie Personen, die sich selbst umpositionieren können, geeignete Hilfsmittel wie Trapezstangen oder Gleitbretter leicht zugänglich zur Verfügung. Ergänzen Sie dies durch schriftliche und bildliche Anleitungen (siehe Bsp.-Abbildung), damit Betroffene und informelle Betreuungspersonen sichere Selbstumpositionierungstechniken anwenden und deren Wirksamkeit regelmäßig überprüft werden kann.

- Druckerhöhende Liegepositionen vermeiden und Seitenlage gezielt gestalten: Vermeiden Sie Liegepositionen mit erhöhter Druckbelastung, insbesondere die 90-Grad-Seitenlage. Unterstützen Sie bevorzugt stabile druckärmere Seitenpositionierungen, etwa in 30-Grad-Seitenlage; bei mobilen Personen kann, sofern keine Kontraindikationen bestehen, auch eine seitliche Schlafposition von etwa 20 bis 40 Grad sinnvoll sein. In Seitenlage sollte der Sakrokokzygealbereich entlastet werden, ohne zusätzlichen Druck auf den Trochanter auszuüben; das obere Bein kann zur Stabilisierung mit einem Kissen vor dem unteren Bein positioniert werden.
- Kopfteilanhebung auf das notwendige Maß begrenzen: Halten Sie das Kopfende des Bettes so flach wie möglich und möglichst bei 30 Grad oder weniger, sofern der klinische Zustand dies erlaubt. Wenn aus anderen Gründen eine stärkere Anhebung nötig ist, sollten zusätzliche Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe umgesetzt werden, etwa die Kontrolle der gesamten Körperauflagefläche und das Anheben der Oberschenkel, um ein Abrutschen und damit verbundene Scherkräfte zu reduzieren. Überprüfen Sie regelmäßig, ob die Kopfteilanhebung wieder reduziert werden kann.
- Alternativen zum Sitzen im Bett nutzen: Prüfen Sie, ob anstelle des Sitzens im Bett zeitweise ein Sitzen außerhalb des Bettes möglich ist, etwa zu Mahlzeiten. Eine stabile Positionierung im Stuhl oder Rollstuhl mit geeigneten Hilfsmitteln und Fußstützen kann das Risiko druck- und scherbedingter Belastungen gegenüber dem Sitzen im Bett mit erhöhtem Kopfteil verringern.
- Druck- und scherarme Sitzposition fördern: Wählen Sie Sitzhaltung sowie Stuhl oder Rollstuhl so, dass Stabilität, Aktivität und Selbstständigkeit bestmöglich unterstützt werden. Die Füße sollten sicher auf dem Boden oder auf passend eingestellten Fußstützen ruhen. Vermeiden Sie gekrümmte oder zusammengesunkene Haltungen, da diese Druck und Scherkräfte insbesondere im Sakralbereich erhöhen können (siehe Abbildung). Personen sollten nicht auf medizinischen Geräten oder Transfersystemen sitzen, sofern diese nicht ausdrücklich dafür vorgesehen sind.

- Druckentlastung im Sitzen aktiv unterstützen: Zur Druckentlastung im Sitzen kann eine Sitzneigung von etwa 30 Grad sinnvoll sein. Wird dieser Winkel nicht toleriert, können kleinere, dafür häufigere Lageveränderungen eine Alternative darstellen. Achten Sie dabei auch auf eine ausreichende Entlastung der Fersen, ohne Druck auf die Achillessehne auszuüben.
- Rollstuhlversorgung regelmäßig überprüfen: Bei Veränderungen von Körpermaßen, Haltung, Beweglichkeit oder funktionellen Fähigkeiten sollte eine fachkundige Neubewertung von Rollstuhlpassform, Sitzposition und Haltungsunterstützung erfolgen. Eine regelmäßige Anpassung kann helfen, sitzbedingte Probleme zu reduzieren und die Prävention zu verbessern.
- Im Rollstuhl Neigung und Rücklehnenverstellung kombiniert einsetzen: Nutzen Sie bei Rollstuhlnutzer*innen nach Möglichkeit eine Kombination aus Sitzneigung und Rücklehnenverstellung, um Druck- und Scherkräfte zu reduzieren. Die alleinige Rücklehnenverstellung kann Scherkräfte erhöhen; daher sollte zunächst die Sitzneigung eingesetzt und die Rücklehne anschließend ergänzend verstellt werden.
Quellen
Good Practice Statement
Es ist eine bewährte Praxis, die Fersen von Patient*innen mit einem Risiko für Druckgeschwüre so zu positionieren, dass die Fersen keinen Kontakt mit der Auflagefläche haben. [5]
Es ist empfehlenswert, die Fersen von Personen, bei denen ein Risiko für Druckgeschwüre besteht, mit Standardkissen oder -polstern auf ausreichende Höhe anzuheben, um sicherzustellen, dass die Fersen keinen Kontakt mit der Auflagefläche haben, wenn keine Fersenentlastungshilfsmitteln verfügbar oder für die Aktivität und Mobilität der Person ungeeignet sind. [5]
Bedingte Empfehlung
geringe Evidenzsicherheit: Es wird die Verwendung eines Hilfsmittels zur Entlastung der Fersen empfohlen, das der Mobilität und dem Aktivitätsniveau der Person, bei der das Risiko von Druckgeschwüren besteht, angemessen ist. [5]
Bei Erwachsenen ist insbesondere die Rückseite des Fersenrandes anfällig, auch bei Verwendung druckverteilender Auflageflächen. [149]
Die Plantarfläche und der Fersenrand sind von einem Fettzellnetzwerk umgeben, das als Polster wirkt, zugleich aber empfindlich gegenüber Scherkräften ist. In Rückenlage kommt es durch Plantarflexion des Fußes zu einem Kontakt des Fersenrandes mit der Auflagefläche. [5]
Bei immobilen und kritisch kranken Personen ist die Ferse häufig über längere Zeit Druck ausgesetzt, insbesondere wenn sie auf der Ganzkörperauflagefläche oder auf einem Kissen aufliegt und keine geeigneten präventiven Maßnahmen oder Positionierungen erfolgen. Dies betrifft unter anderem Personen im Operationssaal, in Diagnoseeinheiten und im Frühstadium einer Rückenmarksverletzung, die aus klinischen Gründen länger in Rückenlage gelagert werden. [185]
Die Auswahl einer geeigneten druckumverteilenden Ganzkörperauflage und regelmäßige Umpositionierung werden als wichtige Strategien zur Prävention von Fersendruckgeschwüren beschrieben. Die folgenden Empfehlungen und Good-Practice-Aussagen beziehen sich auf zusätzliche Maßnahmen für Erwachsene mit einem Risiko für Fersendruckgeschwüre.
Die Reduktion von Druck- und Scherkräften an der Ferse steht dabei im Vordergrund. Die vollständige Entlastung der Fersen durch Anheben wird durch eine Beobachtungsstudie gestützt, in der eine Zunahme der Gewebedurchblutung der Ferse gezeigt wurde, sowie durch mehrere RCTs, die eine Verringerung des Auftretens von Fersendruckgeschwüren bei Fersenanhebung berichteten. Die Fersen sollen dabei so angehoben werden, dass sie vollständig von der Auflagefläche abgehoben sind („floating heels“). [157] [139] [214] [272] [38]
Zur klinischen Frage, ob Fersenentlastungshilfsmittel anstelle von Standardkissen verwendet werden sollten, um Fersendruckgeschwüre bei Risikopatient*innen zu verhindern, wurden im Rahmen der Erstellung einer aktuellen Leitlinie zwei Analysen durchgeführt. [5]
Eine Metaanalyse von zwei RCTs, in der die Ferse als Analyseeinheit verwendet wurde, zeigte, dass Fersenentlastungshilfsmittel mit einer signifikant geringeren Rate an Fersendruckgeschwüren verbunden waren (RR 0,06; 95 % KI 0,01–0,31), bei jedoch nur sehr geringer Sicherheit der Evidenz. Die Evidenz wurde aufgrund von Bias und Ungenauigkeit herabgestuft. Die Studien wurden auf Intensivstationen durchgeführt und die Hilfsmittel über 5 bis 28 Tage eingesetzt. [409] [117]
In einer zweiten Analyse wurde die Person als Analyseeinheit verwendet. Dabei war die Verwendung eines Fersenentlastungshilfsmittels mit einer nicht signifikant geringeren Rate an Fersendruckgeschwüren verbunden (RR 0,13; 95 % KI 0,02–0,99). Für diese Effektschätzung besteht geringe Sicherheit. Die Evidenz wurde wegen Bias und Ungenauigkeit herabgestuft. [409]
Zur Frage, ob andere Fersenentlastungshilfsmittel anstelle von mit Flüssigkeit gefüllten Beuteln oder Handschuhen verwendet werden sollten, liegt eine nicht randomisierte Studie bei Erwachsenen nach orthopädischen Operationen vor. In dieser war ein medizinischer Schaumstoffstiefel mit einer nicht signifikant geringeren Rate an Fersendruckgeschwüren verbunden (RR 0,08; 95 % KI 0,0–1,25), bei nur sehr geringer Sicherheit der Evidenz. Die Evidenz wurde aufgrund von Bias und Ungenauigkeit herabgestuft. [416]
Zu unerwünschten Wirkungen der Fersenentlastungshilfsmittel lagen nur begrenzte Informationen vor. In einer Studie wurde bei einer Person, die einen Fersenstiefel verwendete, ein Hautschaden berichtet. [157]
Die Expert*innengruppe einer aktuellen Leitlinie (NPIAP/EPUAP/PPPIA, 2025) wies darauf hin, dass Fersenentlastungshilfsmittel bei unsachgemäßer Anpassung oder Anwendung zu gerätebedingten Druckgeschwüren führen, die Beweglichkeit im Bett einschränken und bei gehfähigen Personen das Sturzrisiko erhöhen können. Wenn das Hilfsmittel jedoch zum Mobilitäts- und Aktivitätsniveau der Person passt, überwiegen nach Einschätzung der Expert*innengruppe wahrscheinlich die Vorteile. Verfügbarkeit, Kosten und Akzeptanz variieren je nach klinischem und geografischem Setting. In einer qualitativen Bewertung wurden Fersenentlastungshilfsmittel unter anderem als warm oder schweißtreibend, reibungserzeugend oder juckend beschrieben; weniger als die Hälfte der befragten Personen bewertete einen Fersenentlastungsstiefel in liegender Position als bequem. Diese Aussagen betreffen vor allem Umsetzbarkeit und Akzeptanz, nicht direkte Wirksamkeit. [157]
Die Guideline Governance Group einer aktuellen Leitlinie wies darauf hin, dass die Verwendung von intravenösen Flüssigkeitsbeuteln, Druckbeuteln, mit Flüssigkeit gefüllten Beuteln oder Handschuhen zur Fersenhochlagerung eine nicht bestimmungsgemäße Anwendung darstellt und zu Schäden an Fuß oder Ferse führen kann. Ihre Verwendung zur Prävention von Druckgeschwüren wird daher nicht empfohlen. [5]
Es wurden keine klinischen Studien gefunden, in denen verschiedene Arten von Kissen direkt mit anderen Fersenentlastungshilfsmitteln hinsichtlich des Auftretens von Fersendruckgeschwüren verglichen wurden. Zur Wirksamkeit speziell gewellter Schaumstoffkissen oder Polyfaserkissen wird daher keine Empfehlung abgegeben. Wenn keine Fersenentlastungshilfsmittel verfügbar sind, gilt das Anheben der Fersen mit Kissen oder Polstern als bewährte Methode, sofern diese in Position bleiben, die Fersen vollständig von der Auflagefläche abheben und den Druck über die gesamte Länge der Waden verteilen. [5]
Es wurden auch keine klinischen Studien gefunden, in denen medizinische Schaffelle direkt mit anderen Fersenentlastungshilfsmitteln verglichen wurden. Da Schaffelle die Fersen nicht vollständig von der Auflagefläche entlasten, wird der Einsatz von medizinischen oder synthetischen Schaffellen unter den Fersen als alleinige Präventionsmaßnahme bei immobilen Patient*innen nicht empfohlen. [5]
Quellen
- Fersen konsequent druckfrei lagern: Heben Sie die Fersen so an, dass das Gewicht des Beins über die gesamte Länge der Wade verteilt wird. Vermeiden Sie dabei direkten Druck auf Achillessehne, Kniekehle, Peroneusnerv und Fußrücken.
- Bein- und Fußstellung funktionell ausrichten: Positionieren Sie das Knie in leichter Beugung und den Fuß in neutraler bis leichter Dorsalflexion, um Druckbelastung, neurologische oder vaskuläre Kompression sowie Kontrakturen zu vermeiden.
- Fersen und Füße regelmäßig inspizieren: Kontrollieren Sie Fersen und Füße regelmäßig auf Druckzeichen und erleichtern Sie die Hautinspektion, etwa durch Freilegen der Fersen. Wenn eine direkte Einsicht erschwert ist, können Lagerungsanpassungen oder Hilfsmittel zur besseren Sicht genutzt werden.
- Gerätebedingte Druckrisiken an Füßen mitbedenken: Berücksichtigen Sie Druckrisiken durch Sitzpositionen, Fußstützen, Schuhwerk und an den Füßen angebrachte medizinische Geräte oder Therapiesysteme.
- Fersenentlastungshilfsmittel interdisziplinär und settingsspezifisch auswählen: Passen Sie die Auswahl von Fersenentlastungshilfsmitteln an das jeweilige Setting und die lokalen Rahmenbedingungen an und ziehen Sie bei Bedarf Fachpersonen mit Expertise für Fuß- und Hilfsmittelversorgung hinzu.
- Hilfsmittel individuell auswählen: Wählen Sie Fersenentlastungshilfsmittel anhand von Mobilität, Sturzrisiko, individuellem Druckverletzungsrisiko, klinischem Zustand, Hautzustand, Ödemen, anatomischer Ausrichtung sowie Präferenzen und Toleranz der Person aus.
- Bei erhöhten Scherkräften geeignete Hilfsmittel bevorzugen: Erwägen Sie bei Personen mit Unruhe oder häufigen Beinbewegungen Fersenentlastungshilfsmittel mit geringer Reibung oder andere stabile Lösungen, wenn Kissen oder Polster leicht verrutschen.
- Bei verminderter Sensibilität besonders sorgfältig vorgehen: Wählen und verwenden Sie Fersenentlastungshilfsmittel bei Personen mit eingeschränktem Empfindungsvermögen besonders sorgfältig, da Druck oder Schmerzen unter Umständen nicht wahrgenommen oder kommuniziert werden.
- Hilfsmittel korrekt anpassen und anwenden: Passen Sie Fersenentlastungshilfsmittel sorgfältig an die Person an und achten Sie auf eine korrekte Fußausrichtung. Vermeiden Sie Maßnahmen, die die Wirksamkeit der Entlastung beeinträchtigen, etwa zusätzliche Kissen unter dem Knie bei Fersenentlastungsstiefeln oder ungeeignete Überzüge auf Hilfsmitteln.
- Wirksamkeit der Fersenentlastung regelmäßig überprüfen: Überprüfen Sie regelmäßig, ob das gewählte Hilfsmittel weiterhin geeignet ist, insbesondere bei Veränderungen von Mobilität, Selbstpositionierungsfähigkeit oder Sturzrisiko. Wechseln Sie bei Bedarf auf eine andere Form der Fersenentlastung.
- Haut, Durchblutung und Ödeme unter Hilfsmitteln regelmäßig beurteilen: Entfernen Sie Fersenentlastungshilfsmittel in regelmäßigen Abständen, um Hautintegrität, Durchblutung, Flüssigkeitsverschiebungen und Ödeme zu kontrollieren. Bei erhöhtem Risiko oder bestehenden Auffälligkeiten sollte dies häufiger erfolgen.
- Bei ersten Anzeichen von Schädigung rasch reagieren: Wenn Anzeichen einer beginnenden Druckverletzung am Fuß auftreten, prüfen Sie einen Wechsel des Hilfsmittels und/oder häufigere Positionsveränderungen der Füße.
- Komfort der betroffenen Person mitbeurteilen: Beurteilen Sie in regelmäßigen Abständen auch den Tragekomfort, da Fersenentlastungshilfsmittel als zu warm, störend oder unangenehm empfunden werden können.
Quellen
Good Practice Statement
Es ist bewährte Praxis, Betroffene und ihre informellen Bezugspersonen über Folgendes aufzuklären: [5]
- die Gründe für die Umpositionierung,
- ihre Bedeutung für die Prävention von Druckgeschwüren und Strategien zur sicheren und regelmäßigen Durchführung der Umpositionierung
Es ist eine bewährte Praxis, Strategien zur Erinnerung an die Umpositionierung einzusetzen, um die Einhaltung von Umpositionierungsplänen zu fördern. [5]
Bedingte Empfehlung
sehr geringe Evidenzsicherheit: Es wird empfohlen, dass ein Sensorsystem, das die Bewegungen von Patient*innen überwacht, zur Bewertung des Umpositionierungsbedarfs bei Patient*innen mit einem Risiko für Druckgeschwüre verwendet werden könnte, sofern die Ressourcen dies zulassen. [5]
Strategien zur Optimierung der Umsetzung von Positionierungswechseln können Aufklärung und Schulung von Betroffenen und informellen Betreuungspersonen, Mechanismen zur Förderung von Bewusstsein und Durchführung von Positionierungswechseln, Technologien zur Anzeige eines erforderlichen Positionierungswechsels auf Basis von Mobilität, Aktivität oder zunehmendem Auflagedruck sowie Technologien zur Bewertung der Wirksamkeit der Umpositionierung hinsichtlich der Druckentlastung umfassen. Diese Maßnahmen werden häufig im Rahmen gebündelter Umsetzungsstrategien mit mehreren Komponenten zur Prävention von Druckgeschwüren eingesetzt. [5]
Derzeit gibt es nur wenig Evidenz zu diesen Themen. So wurde auch in der Erarbeitung aktueller Guidelines Verbraucherbildungsinterventionen und wirksame Komponenten von Schulungsmaßnahmen zur Steigerung von Wissen und Verhaltensänderungen als Thema für zukünftige Untersuchungen identifiziert. Bis zum Vorliegen einer umfassenderen Untersuchung wurde hierzu ein Good Practice Statement formuliert. [5]
Vorläufige Evidenz deutet darauf hin, dass die Aufklärung von Personen mit Druckgeschwürrisiko ein wichtiger Bestandteil der Umsetzung von Präventionsmaßnahmen ist. [109]
Für Personen mit Erkrankungen, die mit einem langfristig erhöhten Druckgeschwürrisiko verbunden sind, kann Aufklärung das Selbstmanagement unterstützen. [402]
Auch bei kurzfristigem Druckgeschwürrisiko kann Aufklärung die aktive Beteiligung an der eigenen Pflege und die Zusammenarbeit mit dem klinischen Personal fördern. [383]
Diese Aussagen beruhen teilweise auf vorläufiger Evidenz und auf einem Good Practice Statement, nicht auf robuster Wirksamkeitsevidenz.
Zur Verbesserung der Einhaltung wurden verschiedene Erinnerungssysteme eingesetzt. In der Literatur beschriebene akustische und visuelle Erinnerungssysteme wurden mit verbesserter Einhaltung der Umpositionierung und teilweise mit geringerem Auftreten von Druckgeschwüren in Verbindung gebracht. [390] [104] [46] [233] [156]
Diese Maßnahmen wurden jedoch häufig als Teil gebündelter Interventionen untersucht, sodass der spezifische Beitrag einzelner Komponenten nicht eindeutig abgrenzbar ist.
Eine Meta-Analyse von drei Studien verglich die Verwendung eines am Körper getragenen Sensors zur Erfassung der Bewegungsfrequenz mit keiner Verwendung eines solchen Systems und zeigte eine nicht signifikant geringere Rate des Auftretens von Druckgeschwüren (RR 0,15; 95 % KI 0,02–1,08; p = 0,06); die Sicherheit dieser Effektschätzung ist sehr gering. Die Evidenz wurde aufgrund von Bias, Inkonsistenz, Indirektheit und Ungenauigkeit herabgestuft. [5]
Für tragbare Sensoren wurden in entscheidungsanalytischen Modellen potenzielle Kosteneinsparungen und bessere klinische Ergebnisse simuliert, unter anderem auf Intensivstationen in den USA. Diese Modellierungen gingen von einer Reduktion krankenhausassoziierter Druckgeschwüre um 77 % und Kosteneinsparungen von 6.621 USD pro Patient*in pro Jahr aus. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass eine Reduktion in dieser Größenordnung nicht in allen Settings realistisch ist und die wirtschaftliche Umsetzbarkeit je nach klinischem und geografischem Kontext eingeschränkt sein kann. [65]
Die Guideline Governance Group wies zudem auf Umsetzungsprobleme hin, etwa das Entfernen des Sensors durch Personen mit kognitiven Beeinträchtigungen oder die Notwendigkeit ausreichender Monitorressourcen zur Einsicht der Sensordaten. [389]
Diese Aussagen betreffen vor allem Machbarkeit und Implementierung und stellen keine direkte Wirksamkeitsevidenz dar.
Quellen
- Betroffene und informelle BezugsPflegepersonen aufklären und einbeziehen: Informieren Sie über den Zweck der Umpositionierung und ihre Bedeutung für die Prävention von Druckverletzungen. Ein gutes Verständnis kann die Mitwirkung, Selbstfürsorge, Kooperation im Pflegeprozess und die Einhaltung von Umpositionierungsplänen fördern.
- Pflegekräfte gezielt schulen und Kompetenzen regelmäßig prüfen: Bieten Sie individuelle Schulungen zur Umpositionierung und zu manuellen Hebe- und Transfertechniken an und überprüfen Sie die praktischen Fähigkeiten regelmäßig.
- Gründe für mangelnde Adhärenz systematisch erfassen und adressieren: Wenn Personen Umpositionierungsmaßnahmen nicht einhalten, sollten mögliche Ursachen wie Schmerzen, kognitive Einschränkungen, fehlende Kompetenzen oder psychische Belastungen erkannt und gezielt bearbeitet werden. Unterstützen Sie bei Bedarf den Zugang zu Schulungen, Hilfsmitteln, weiteren Ressourcen und geeigneten Gesundheitsfachkräften.
- Selbstständige Personen regelmäßig an Bewegung erinnern: Ermutigen Sie mobilere oder unabhängige Personen dazu, sich regelmäßig zu bewegen oder selbst umzupositionieren. Dabei können auch informelle Betreuungspersonen und nicht-klinisches Personal unterstützend eingebunden werden.
- Erinnerungssysteme zur Umpositionierung einsetzen: Nutzen Sie verbale, visuelle oder audio-visuelle Hinweise, um Betroffene, Betreuungspersonen und das Pflegeteam an erforderliche Umpositionierungen zu erinnern. Solche Erinnerungssysteme können auch in organisatorische Abläufe und elektronische Dokumentationssysteme integriert werden.
- Sensoren als Ergänzung, nicht als Ersatz verwenden: Bewegungssensoren sollten das klinische Urteilsvermögen sowie bestehende Präventionsmaßnahmen wie Risiko- und Hautbeurteilung, druckverteilende Unterlagen und regelmäßige Umpositionierung ergänzen, aber nicht ersetzen.
- Bei Sensornutzung gefährdete Körperstellen zusätzlich kontrollieren: Auch bei Einsatz von Bewegungssensoren sollten druckgefährdete Stellen wie Kopf bzw. Ohren, Ellbogen und Fersen regelmäßig inspiziert werden, da Sensoren eine ausreichende Druckentlastung an diesen Arealen nicht zuverlässig abbilden.
- Sensoren zur individuellen Einschätzung der Selbstpositionierung nutzen: Bewegungssensoren können helfen, Selbstpositionierungsfähigkeiten zu beurteilen und daraus individuelle Umpositionierungspläne abzuleiten. Dabei ist zu beachten, dass kleinere oder episodische Positionsveränderungen sowie die Qualität der Bewegungsausführung nicht immer zuverlässig erfasst werden.
- Implementierung von Sensortechnologien aktiv begleiten: Binden Sie lokale Ansprechpersonen oder Multiplikator*innen ein, um das Personal im Umgang mit Sensormeldungen zu schulen und die Umsetzung von Umpositionierungsplänen zu unterstützen. Platzieren Sie visuelle Feedback-Monitore so, dass sie vom Personal gut wahrgenommen und genutzt werden können.
- Ausreichende personelle Ressourcen sicherstellen: Stellen Sie sicher, dass genügend Personal vorhanden ist, um auf Erinnerungen oder Sensorsignale zeitgerecht zu reagieren und erforderliche Umpositionierungen tatsächlich durchzuführen.
Quellen
Bedingte Empfehlung
sehr geringe Evidenzsicherheit: Es wird empfohlen, bei Patient*innen mit einem Risiko für Druckgeschwüre ein frühzeitiges Mobilisierungsprogramm auf der Grundlage der individuellen Aktivitätstoleranz durchzuführen. [5]
Eine Metaanalyse von sechs RCTs und sechs nicht randomisierten Vergleichsstudien verglich eine frühzeitige mit einer verzögerten Mobilisierung bei Personen mit einem Risiko für Druckgeschwüre und zeigte, dass ein Protokoll zur frühzeitigen Mobilisierung mit einer signifikant geringeren Rate an Druckgeschwüren verbunden war (RR 0,75; 95 % KI 0,61–0,92; p = 0,009). Es besteht jedoch nur sehr geringe Sicherheit, dass diese Effektschätzung einen tatsächlichen Effekt widerspiegelt. Die Evidenz wurde aufgrund eines hohen Risikos für Bias, Indirektheit und Inkonsistenz herabgestuft. [5]
Die Gesamtzahl unerwünschter Ereignisse, darunter Stürze, Verletzungen, kardiale oder respiratorische Ereignisse, Selbstextubation oder Leitungsabbrüche, unterschied sich nicht zwischen früher Mobilisierung und üblicher Versorgung. Gleichzeitig wurde ein Anstieg der Stürze im Zusammenhang mit früher Mobilisierung beschrieben (OR 1,74; 95 % KI 0,38–8,08). [81]
Dabei handelt es sich um ein beschriebenes Vorgehen aus der Literatur und nicht um robuste direkte Wirksamkeitsevidenz zur frühzeitigen Mobilisation.
Quellen
- Sicherheit vor und während der Mobilisierung beurteilen: Bewerten Sie vor Beginn und bei jeder Steigerung der Mobilisierung die Sicherheit der betroffenen Person und stellen Sie eine angemessene Überwachung sicher.
- Bettruhe möglichst früh durchbrechen: Führen Sie Personen, die Bettruhe einhalten müssen, so früh wie klinisch vertretbar an Sitzen und Gehen heran, um einer Verschlechterung durch längere Immobilität entgegenzuwirken.
- Scherkräfte bei der Mobilisierung vermeiden: Verwenden Sie geeignete Mobilisierungstechniken, um zusätzliche Scherkräfte zu minimieren.
- Mobilität durch Hilfsmittel unterstützen: Erleichtern Sie den Zugang zu geeigneten Mobilitätshilfen und passendem Schuhwerk.
Quellen
Good Practice Statement
Es wird empfohlen, die Bauchlage zu wählen, wenn diese aufgrund des Gesundheitszustands/des medizinischen Zustands der Person erforderlich ist, und die Bauchlage zu beenden, sobald dies klinisch angemessen ist. [5]
Es ist gute Praxis, bei kritisch kranken Patient*innen, die zu instabil sind, um ein regelmäßiges Repositionierungsprogramm einzuhalten, häufigere, kleinere und schrittweise Positionsveränderungen (Mikrobewegungen) vorzunehmen und die regelmäßige Repositionierung zu ergänzen. [5]
Gleichzeitig ist in Bauchlage die Möglichkeit größerer Lageveränderungen häufig eingeschränkt, und das Risiko für Druckgeschwüre an der Vorderseite des Körpers ist erhöht. [369]
Auch eingesetzte medizinische Geräte können in dieser Situation zum Druckgeschwürrisiko beitragen. [5]
Vergleichsstudien zur Wirksamkeit von Mikrobewegungen im Vergleich zur üblichen Versorgung bei kritisch kranken Personen in Bezug auf Druckgeschwürergebnisse wurden nicht gefunden. Die Good-Practice-Aussage beruht daher nicht auf direkter Wirksamkeitsevidenz zu klinischen Endpunkten, sondern auf indirekter Evidenz zu Auflagedruck und Gewebedurchblutung bei gesunden Freiwilligen und bei Risikopatient*innen. [94] [172] [91]
Zudem wurden evidenzbasierte Praxisprotokolle veröffentlicht, die kleine Positionsveränderungen und die schrittweise Wiederaufnahme von Repositionierungsregimen beschreiben. Diese Protokolle sind in der Intensivpflege verbreitet; ein kontrollierter Vergleich ohne Mikrobewegungen wird im Text als ethisch fragwürdig beschrieben.
Insgesamt werden Mikrobewegungen als praktikable Möglichkeit beschrieben, Druck zu entlasten oder umzuverteilen, wenn eine regelmäßige Repositionierung klinisch nicht möglich ist. Es gibt nur wenige klinische Situationen, in denen Patient*innen keine an ihre individuelle Reaktion angepasste Form einer modifizierten Repositionierung tolerieren können. [5]
Quellen
- Bauchlage nur mit vorbereitetem, geschultem Team durchführen: Setzen Sie für die sichere Bauchlage ein interdisziplinäres, speziell geschultes Team ein und ziehen Sie nach Möglichkeit auch Wundexpertise hinzu. Verwenden Sie klare Protokolle mit Indikationen, Zuständigkeiten und Sicherheitschecklisten, um Atemwegssicherung, klinische Anforderungen und Druckverletzungsprävention systematisch zu berücksichtigen.
- Bauchlage strukturiert planen und zeitlich begrenzen: Begrenzen Sie die Dauer der Bauchlage auf das medizinisch notwendige Maß und halten Sie die gesamte Auflagefläche dabei möglichst flach. Setzen Sie die Umpositionierung auch in Bauchlage fort, soweit es der Zustand der Person zulässt.
- In Bauchlage regelmäßig kleine Lageanpassungen durchführen: Nutzen Sie in Bauchlage geeignete Repositionsstrategien wie die Schwimm-/Freestyle-Position sowie häufige kleine Bewegungen von Kopf und Extremitäten. Kopf- und Armpositionen sollten regelmäßig verändert werden, um lokale Druckbelastungen zu reduzieren.
- Druckgefährdete Areale engmaschig beurteilen: Kontrollieren Sie vor, während und nach der Bauchlage sowie bei jeder Neupositionierung systematisch die Haut und druckgefährdeten Körperstellen, insbesondere im Gesichtsbereich, am Thorax, Becken, an den Genitalien, Knien und Zehen. Reagieren Sie frühzeitig auf Druckzeichen und passen Sie die Entlastungsmaßnahmen entsprechend an.

- Druckentlastende Unterlagen und Kissen gezielt einsetzen: Verwenden Sie geeignete Kissen und Positionierungshilfen, um Druck vom Abdomen, Gesicht, Augen, Ohren, Tubusbereich und von den unteren Extremitäten fernzuhalten. Berücksichtigen Sie bei der Auswahl, die voraussichtliche Dauer der Bauchlage, die Position des Gesichts und der Atemwegssicherung sowie die Höhe und Eignung der Hilfsmittel.
- Präventive Verbände und Hautschutzmaßnahmen nutzen: Ziehen Sie an gefährdeten Kontaktstellen präventive Verbände in Betracht, halten Sie die Haut sauber und trocken und schützen Sie sie vor übermäßiger Feuchtigkeit. Behandeln Sie Feuchtigkeit aktiv, etwa durch Absaugen und Hautschutzprodukte.
- Augen- und Mundpflege in Bauchlage sicherstellen: Führen Sie in Bauchlage eine konsequente Augen- und Mundpflege durch. Achten Sie auf okulären Druck, Ödeme und Schleimhautverletzungen, sichern Sie bei Bedarf die Augen und kontrollieren Sie regelmäßig den Mundraum. Bei Hinweisen auf okuläre Belastung können zusätzliche Positionierungsanpassungen erforderlich sein.
- Medizinische Geräte druckarm positionieren und regelmäßig überprüfen: Entfernen Sie nicht mehr benötigte Leitungen und vermeiden Sie es, Personen auf medizinischen Geräten zu lagern. Verlegen Sie Geräte und Schläuche nach Möglichkeit aus druckgefährdeten Bereichen heraus, befestigen Sie sie nicht direkt auf der Haut und kontrollieren Sie Lage, Hautkontakt und Funktion regelmäßig. Präventive Verbände unter Geräten können zusätzlich sinnvoll sein.
- Atemwegssicherung in Bauchlage besonders beachten: Berücksichtigen Sie, dass Tubusfixierungen in Bauchlage zusätzlichen Druck erzeugen können. Positionieren Sie den Endotrachealtubus möglichst druckarm, verlagern Sie ihn bei Bedarf seitlich und stellen Sie sicher, dass die Einführtiefe dabei erhalten bleibt. Verwenden Sie Fixierungssysteme nur entsprechend den Herstellerangaben.
- Bei kritisch kranken Personen die Verträglichkeit jeder Positionsänderung prüfen: Beurteilen Sie beim Repositionieren von kritisch kranken Personen die hämodynamische Stabilität und Sauerstoffversorgung sorgfältig. Warten Sie nach einer Positionsänderung ausreichend lange, um die Toleranz beurteilen zu können, und passen Sie das Umpositionierungsschema an die individuelle Verträglichkeit an.
- Bei eingeschränkter Toleranz auf Mikrobewegungen und Teilentlastung ausweichen: Wenn langsame oder vollständige Drehungen nicht toleriert werden, nutzen Sie häufige kleine Gewichtsverlagerungen, Umlagerungen von Kopf und Extremitäten, passive Bewegungsübungen, Fersenentlastung und geringere Kippwinkel. Solche Mikrobewegungen können Druck reduzieren, ersetzen jedoch keine geeignete druckverteilende Unterlage oder die regelmäßige Ganzkörperumpositionierung, sobald diese wieder möglich ist.
- Regelmäßig prüfen, ob Ganzkörperumpositionierung wieder möglich ist: Bei hämodynamisch instabilen Personen sollte in regelmäßigen Abständen überprüft werden, ob eine Ganzkörperumpositionierung wieder toleriert wird. Sobald sich Kreislauf und Sauerstoffversorgung stabilisiert haben, sollte die regelmäßige Ganzkörperumpositionierung wieder aufgenommen werden.
- Kopf bei sedierten und beatmeten Personen besonders entlasten: Entlasten Sie bei sedierten und beatmeten Personen den Kopf durch regelmäßige Repositionierung, Mikrobewegungen und gegebenenfalls spezielle Kopfpositionierungshilfen. Kontrollieren Sie okzipitale Druckstellen besonders aufmerksam.
Quellen
Die allgemeinen Empfehlungen zur Umpositionierung und Good-Practice-Empfehlungen gelten grundsätzlich auch für Personen im Operationssaal, soweit sie in diesem Setting umsetzbar sind. Im Operationssaal ist die Möglichkeit zur Umpositionierung jedoch häufig eingeschränkt, da für den chirurgischen Eingriff ein stabiles, sichtbares und zugängliches Operationsfeld erforderlich ist und die Operationsposition in der Regel beibehalten werden muss. Dadurch kann die Dauer der Druckbelastung von Haut und Gewebe während des Eingriffs meist nicht wesentlich verkürzt werden. Zusätzlich müssen weitere lagerungsbedingte Risiken wie periphere Nervenverletzungen, Verletzungen des Bewegungsapparats und Augenverletzungen berücksichtigt werden. [294]
Kennen und schützen Sie die empfindlichen/anfälligen Druckpunkte für die gewählte Position (siehe folgende Abbildungen):

Quellen
- Wählen Sie eine Ausgangsposition basierend auf den chirurgischen Anforderungen.
- Verwenden Sie druckverteilende Ganzkörperauflagen und Positionierungshilfen.
- Kennen und schützen Sie die empfindlichen/anfälligen Druckpunkte für die gewählte Position.
- Verteilen Sie den Druck auf eine möglichst große Körperfläche.
- Entlasten Sie die Fersen.
- Achten Sie auf medizinische Geräte.
- Verwenden Sie vor und nach der Operation eine andere Position.
- Lokale Standards und Sicherheitsroutinen einhalten: Befolgen Sie bei der Positionierung im Operationssaal die lokalen Richtlinien und etablierten Sicherheitsstandards.
- Operationspositionierung druckarm planen: Wählen Sie eine Ausgangsposition, die den Druck auf eine möglichst große Körperfläche verteilt und lokale Druckspitzen minimiert. Berücksichtigen Sie dabei die für die jeweilige Operationsposition typischen Druckpunkte, die geplante Positionierung, die eingesetzten Geräte und die voraussichtlichen Kontaktstellen.
- Geeignete druckverteilende Hilfsmittel einsetzen: Verwenden Sie geeignete Ganzkörperauflagen, Repositionshilfen mit druckumverteilenden Eigenschaften und entlasten Sie besonders gefährdete Areale wie die Fersen. Präventive Verbände können ergänzend erwogen werden.
- Druckbelastung durch die Operationsposition zeitlich minimieren: Positionieren Sie die Person möglichst erst nach Einleitung der Anästhesie in die endgültige Operationsposition und bringen Sie sie nach dem Eingriff so rasch wie möglich wieder in eine andere Position. Wenn möglich, sollte sich die prä- und postoperative Positionierung von der intraoperativen Position unterscheiden.
- Medizinische Geräte in die Positionierungsplanung einbeziehen: Berücksichtigen Sie bei Personen mit bereits angelegten medizinischen Geräten, wie sich diese auf das Druckverletzungsrisiko auswirken können. Vermeiden Sie nach Möglichkeit eine Positionierung direkt auf medizinischen Geräten.
- Intraoperative Druckbelastung und Umpositionierungsmöglichkeiten prüfen: Prüfen Sie bei Bedarf die Wirksamkeit der Positionierung, etwa mithilfe intraoperativer Druckmessung. Planen Sie insbesondere bei längeren Eingriffen nach Möglichkeit Umpositionierungen, Mikrobewegungen oder Positionsanpassungen der Extremitäten ein und legen Sie geeignete Zeitpunkte dafür bereits zu Beginn des Eingriffs fest.
- Intraoperative Positionierung systematisch dokumentieren: Dokumentieren Sie die intraoperative Position der Person sowie verwendete Gurte, Befestigungen und weitere lagerungsrelevante Maßnahmen.
Quellen
- Geeignete pädiatrische Hilfsmittel verwenden: Stellen Sie sicher, dass für Umpositionierung und Druckentlastung nur Hilfsmittel eingesetzt werden, die für Neugeborene und Kinder geeignet sind und den Herstellerangaben zu Gewicht und Anwendung entsprechen.
- Alters- und entwicklungsabhängige Druckrisiken berücksichtigen: Beachten Sie, dass sich die Gewichtsverteilung mit dem Wachstum verändert. Säuglinge und Kleinkinder haben aufgrund des im Verhältnis größeren Kopfes ein erhöhtes Risiko für okzipitale Druckbelastung.
- Kopf besonders schützen: Achten Sie bei Neugeborenen und Kindern besonders auf den Kopf als häufige Prädilektionsstelle für Druckverletzungen. Positionieren Sie den Kopf so oft wie sicher möglich neu und nutzen Sie geeignete druckumverteilende Hilfsmittel, um den Druck vom Hinterkopf zu nehmen. Bei Neugeborenen sollte die sichere Kopfpositionierung mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.
- Bei kritisch kranken Säuglingen die Toleranz der Umpositionierung eng überwachen: Unterlassen Sie eine vollständige Umpositionierung, wenn Zeichen einer Unverträglichkeit bestehen, etwa neue Arrhythmien, aktive Blutungen, laufende Volumenersatztherapie bei instabilem Blutdruck oder anhaltende Verschlechterungen von hämodynamischem oder respiratorischem Status. Legen Sie hierfür lokale Kriterien fest, wann eine Umpositionierung als nicht toleriert gilt.
- Bei eingeschränkter Toleranz schrittweise und mit Mikrobewegungen vorgehen: Wenn kritisch kranke Säuglinge eine vollständige Umpositionierung nicht vertragen, nutzen Sie häufige kleine Mikrobewegungen, passive Bewegungsübungen, Positionsanpassungen der Extremitäten, Kopfdrehungen und Fersenentlastung. Führen Sie Positionsveränderungen schrittweise durch und steigern Sie den Drehwinkel nur bei guter Verträglichkeit.
- Interdisziplinär vorgehen: Setzen Sie bei kritisch kranken Neugeborenen und Kindern ein interdisziplinäres Team ein, um Atemwegssicherung, klinische Stabilität und Druckverletzungsprävention gemeinsam abzustimmen.
- Umpositionierung für umfassende Pflege nutzen: Nutzen Sie jede Umpositionierung auch zur Hautinspektion, einschließlich der Kontrolle unter medizinischen Geräten, zur Feuchtigkeitsregulation und zur Durchführung geeigneter Bewegungsübungen.
Quellen
(nach NPIAP/EPUAP/PPPIA, 2025) [5]
- Gezielte Erinnerungen einsetzen: Verwenden Sie gezielte Erinnerungen, um die regelmäßige Selbstumpositionierung bei Personen zu unterstützen, die sich eigenständig neu positionieren können.
- Personenzentrierte Ansätze zur Förderung der Akzeptanz nutzen: Setzen Sie personenzentrierte Pflegeansätze und geeignete Kommunikationstechniken ein, um die Bereitschaft zur Umpositionierung und das Beibehalten druckentlastender Positionen zu fördern.
- Bei Unruhe bewegungstherapeutische Maßnahmen erwägen: Erwägen Sie Bewegungstherapie, um überschüssige Energie abzubauen und unkontrollierte Bewegungen zu reduzieren, die mit Unruhe verbunden sein können und das Risiko für Scherkräfte sowie Haut- und Gewebeschäden erhöhen.
Quellen
- Pflegeziele und Wohlbefinden in den Mittelpunkt stellen: Besprechen Sie die Pflegeziele gemeinsam mit der betroffenen Person und legen Sie den Schwerpunkt auf Wohlbefinden, Komfort und Lebensqualität.
- Präferenzen zu Positionen und Hilfsmitteln erfragen: Fragen Sie die betroffene Person und informelle Bezugsperson, welche Positionen und Hilfsmittel das Wohlbefinden am besten fördern, und berücksichtigen Sie diese Präferenzen bei der Planung.
- Haut engmaschig beobachten und Verletzungen vermeiden: Inspizieren Sie die Haut bei jeder Gelegenheit und achten Sie besonders darauf, Hautverletzungen zu vermeiden, da die Haut am Lebensende oft empfindlicher und vulnerabler ist.
- Umpositionierung an Toleranz und Komfort anpassen: Wenn eine vollständige Körperumpositionierung nicht toleriert wird, führen Sie kleinere schrittweise Lageveränderungen durch und positionieren Sie Kopf und Extremitäten regelmäßig neu.
- Schmerzmanagement berücksichtigen: Berücksichtigen Sie die Anforderungen an die Schmerzbehandlung, um Umpositionierungen mit möglichst wenig Unbehagen zu ermöglichen.
- Umpositionierungsintervalle gemeinsam festlegen: Besprechen Sie, welche Umpositionierungsintervalle den Pflegezielen und Komfortbedürfnissen am besten entsprechen, und informieren Sie über mögliche Risiken bei seltenerer Umpositionierung, damit fundierte Entscheidungen getroffen werden können.
- Individuellen Repositionierungsplan erstellen: Entwickeln Sie gemeinsam mit der betroffenen Person und informellen Betreuungspersonen einen individuellen Repositionierungsplan, der Komfort, Präferenzen und Pflegeziele prioritär berücksichtigt.
- Informelle Bezugspersonen einbeziehen und anleiten: Beziehen Sie informelle Bezugspersonen in die Versorgung am Lebensende ein und bieten Sie bei Bedarf individuelle Anleitung und Schulung zur Umpositionierung an, insbesondere im häuslichen Setting.
Quellen
- Selbstumpositionierung in den Tagesablauf integrieren: Fördern Sie die Selbstumpositionierung, indem Sie Lageveränderungen nach Möglichkeit in den Tagesablauf einplanen, etwa über Gelegenheitsbewegungen, natürliche Aktivitätspausen oder andere alltagsnahe Routinen.
- Umpositionierung im häuslichen Umfeld über 24 Stunden mitdenken: Berücksichtigen Sie das Umpositionierungsschema der Person über einen gesamten 24-Stunden-Zeitraum und setzen Sie sich für die Unterstützung ein, die zur Deckung des individuellen Bedarfs erforderlich ist.
- Verfügbare Ressourcen im häuslichen Setting realistisch einplanen: Berücksichtigen Sie bei der Planung den Zugang zu notwendigen Ressourcen wie druckverteilenden Unterlagen, manuellen Hebehilfen, Positionierungshilfen und personeller Unterstützung. Entwickeln Sie gemeinsam mit der betroffenen Person und informellen Bezugspersonen einen realistisch umsetzbaren Repositionierungsplan, der an die tatsächlich verfügbaren Ressourcen angepasst ist.
- Zeiten ohne personelle Unterstützung überbrücken: Ergänzen Sie, wenn nötig, die unterstützte Ganzkörperumpositionierung durch häufige kleine Gewichtsverlagerungen und Druckentlastungsmanöver, um auch in Zeiten ohne verfügbare Unterstützung eine möglichst gute Druckentlastung zu erreichen.
- Bedürfnisse informeller Bezugspersonen berücksichtigen: Beachten Sie auch die Bedürfnisse informeller Bezugspersonen, etwa in Bezug auf Schlaf, körperliche Belastung, verfügbare Hilfsmittel und zusätzlichen Unterstützungsbedarf. Ermutigen Sie dazu, bei Bedarf gemeindenahe oder häusliche Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen.
- Fachliche Unterstützung vermitteln: Erwägen Sie die Überweisung an geeignete Gesundheitsfachkräfte, etwa Physiotherapie, Ergotherapie oder Bewegungstherapie, um Beratung zur Umpositionierung sowie Unterstützung bei Auswahl und Einsatz geeigneter Hilfsmittel zu ermöglichen.
- Erinnerungsstrategien für das häusliche Setting schulen: Schulen Sie Personen in der häuslichen Versorgung im Einsatz von Erinnerungsstrategien, um eine regelmäßige Umpositionierung zu fördern, beispielsweise mit Weckern, tragbarer Technologie oder intelligenten Apps.
Quellen
- Repositionsbedarf regelmäßig neu bewerten: Berücksichtigen Sie, dass sich die Anforderungen an die Umpositionierung im Verlauf der Zeit verändern können. Überprüfen Sie daher regelmäßig das Druckverletzungsrisiko, den Haut- und Gewebezustand sowie den individuellen Repositionsbedarf.
- Veränderungen der Haut- und Gewebetoleranz beachten: Beachten Sie, dass sich die Haut- und Gewebetoleranz je nach Krankheitsphase, Alter, klinischen Ereignissen, Gewichtsveränderungen und anderen Einflussfaktoren verändern kann. In Phasen verminderter Toleranz kann eine häufigere Umpositionierung erforderlich sein.
- Personen mit Rückenmarksverletzung wiederholt schulen: Informieren und schulen Sie Personen mit Rückenmarksverletzung bereits in der ersten Rehabilitationsphase und anschließend regelmäßig zur Umpositionierung, um Selbstmanagement und langfristige Adhärenz zu fördern.
Quellen
Good Practice Statement
Bei der Auswahl eines Stuhls oder Rollstuhls, der den individuellen Bedürfnissen hinsichtlich Druckumverteilung und Scherkraftreduzierung entspricht, sollten die folgenden Faktoren berücksichtigt werden: • das allgemeine Risiko der Person für Druckgeschwüre, • die Bedürfnisse hinsichtlich Unabhängigkeit, Mobilität und Aktivität, • Körpergröße, Körperform und Gewichtsverteilung, • Körperhaltung, Deformitäten und Asymmetrien und deren Auswirkungen auf die Druckverteilung, • Bedarf an erweiterten Funktionen (z. B. dynamische Gewichtsverlagerung) und • die persönlichen Präferenzen und Pflegeziele der Person. [137]
Bedingte Empfehlung
Moderate Evidenzsicherheit: Für Personen, die in sitzender Position einem Risiko für Druckverletzungen ausgesetzt sind, wird die Verwendung einer Sitzunterlage mit Druckverteilungseigenschaften empfohlen. [137]
Jede Person, die außerhalb des Bettes sitzen kann, nutzt eine Sitzfläche. Bei der Beurteilung des Druckgeschwür-Risikos und geeigneter Strategien zur Risikoreduktion soll daher die Positionierung über die gesamte Tagesdauer berücksichtigt werden. Viele Menschen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit auf einem Stuhl oder im Rollstuhl sitzend. Deshalb sind die Leistungsmerkmale von Sitzflächen, insbesondere Druckumverteilung und Verringerung von Scherkräften, relevant. Dies betrifft nicht nur Stühle und Rollstühle, sondern auch andere Sitzflächen, auf denen Personen teils über längere Zeit sitzen, etwa Toiletten- und Duschstühle, Reisestühle oder Sitzgelegenheiten in der Schule und der Arbeit. [137]
Wie für Ganzkörperauflageflächen bestehen auch für Stühle, Rollstühle und Sitzkissen Normen zur Prüfung und Bewertung. Bei Rollstühlen als Medizinprodukten umfassen diese unter anderem Leistungs- und Sicherheitsmerkmale, Manövrierfähigkeit, Haltungsunterstützung und Stabilität. Diese Aspekte sind bei der Auswahl eines Mobilitätshilfsmittels relevant und gehen über die Vermeidung von Druckgeschwüren hinaus. Verschiedene international anerkannte Standards wurden von Standardentwicklungsorganisationen in unterschiedlichen Rechtsräumen entwickelt oder beeinflusst und werden von der International Standards Organisation (ISO) anerkannt (siehe auch https://www.iso.org/committee/53792.html).
Druckumverteilung und Verringerung von Scherkräften werden bei Stühlen und Rollstühlen häufig durch Sitzkissen oder integrierte Sitzsysteme erreicht. In weiterer Folge werden Maßnahmen zur Verringerung des Druckgeschwür-Risikos durch Druck- und Scherkräfte in sitzender Position adressiert. Zugleich wird berücksichtigt, dass Stühle und Rollstühle auch Anforderungen an Haltung, Stabilität, Mobilität und weitere Faktoren erfüllen müssen, die ebenfalls zum Druckgeschwür-Risiko beitragen. [137]
Wenn eine Person sitzt, wird das Körpergewicht auf eine relativ kleine Fläche verteilt, vor allem auf Gesäß, Oberschenkel und Füße. Dadurch entstehen hohe Auflagedrücke und nur begrenzte Möglichkeiten zur Gewichtsverlagerung, was das Risiko für Druckgeschwüre erhöht, insbesondere an den Sitzbeinhöckern bei längerem Sitzen. [332]
Zur Risikoreduktion ist die Auswahl eines geeigneten Stuhls oder Rollstuhls erforderlich. Diese soll individuell erfolgen und neben der Druckgeschwürprävention auch andere Faktoren berücksichtigen. [350]
So sollte die Sitzgelegenheit den Körpermaßen, dem Bewegungsumfang, den funktionellen Bedürfnissen und dem Bedarf an Haltungsunterstützung der Person entsprechen und mit den Bedürfnissen der Person hinsichtlich der Neupositionierung kompatibel sein (z. B. Armstützen für Druckumverteilungsmanöver und/oder dynamische Gewichtsverlagerungsfunktionen). Auch persönliche Präferenzen und Pflegeziele (z. B. Komfort, erhöhte Unabhängigkeit usw.) müssen berücksichtigt werden. [137]
Eine Metaanalyse von fünf RCTs zeigte, dass Sitzflächen mit druckumverteilenden Eigenschaften im Vergleich zu Sitzflächen ohne Druckumverteilung mit einer nicht signifikant geringeren Rate an Druckgeschwüren verbunden waren (RR 0,86; 95 % KI 0,74–1,01; p = 0,06), entsprechend 64 weniger Druckgeschwüren pro 1.000 behandelten Personen (von 118 weniger bis 5 mehr). Es besteht moderate Sicherheit, dass diese Effektschätzung einen tatsächlichen Effekt widerspiegelt. Die Einschätzung der Evidenz wurde im Rahmen der Metaanalyse aufgrund von Bias und Indirektheit herabgestuft. [137]
Untersucht wurden verschiedene druckumverteilende Sitzkissen, darunter konturierte Schaumstoffkissen, Gelkissen und hautschützende Kissen, die bei älteren Erwachsenen in Rollstühlen oder auf Stühlen in der Langzeitpflege eingesetzt wurden; Vergleichsprodukt war jeweils ein Schaumstoffkissen ohne druckumverteilende Eigenschaften. Unerwünschte Ereignisse scheinen minimal zu sein, wenn das Kissen gemäß Herstellerangaben ausgewählt, angepasst und verwendet wird. [264] [250] [414] [141] [236]
Auf Grundlage dieser verfügbaren Erkenntnisse wird in einer aktuellen Leitlinie die Verwendung eines Druckverteilungskissens als wahrscheinlich akzeptabel und machbar beschrieben. Zwar variieren die Kosten für Beschaffung und Anpassung, aber es liegen keine Belege zur Kosteneffizienz vor. Die im Rahmen der Leitlinie formulierte nachdrückliche Empfehlung zur Verwendung eines Druckverteilungskissens beruht aber darauf, dass das Risiko einer Schädigung bei Nichtverwendung einer Sitzunterlage mit Druckverteilungsfunktion für Personen mit Druckgeschwürrisiko als hoch eingeschätzt wurde. [137]
In Bezug auf Fragestellungen zum Einfluss von Rollstuhlkissen auf das Mikroklima an den Sitzflächen unterstützen die vorliegenden systematischen Reviews keine einheitliche Empfehlung für ein bestimmtes Rollstuhlkissen. Vielmehr ist eine individualisierte Auswahl erforderlich, die Druckentlastung und Mikroklima als eigenständige Zielgrößen berücksichtigt. [266] [98]
Die Eignung eines Sitzkissens ergibt sich damit nicht allein aus dem Material, sondern aus der Passung zwischen Kissenprofil und individueller Risikolage.
Für das Mikroklima zeigte der Review von Couzens et al., dass Schaum-Gel-Kissen Temperaturanstiege im Vergleich zu reinen Schaum- oder Luftkissen tendenziell besser abpuffern. Für das Feuchtigkeitsmanagement ergab sich hingegen, dass Schaumkissen relative Luftfeuchtigkeitsanstiege günstiger dämpfen könnten als Schaum-Gel-Kissen. Die thermische Wahrnehmung unterschied sich zwischen den Kissentypen nicht eindeutig, sodass subjektiver Komfort nicht direkt aus Temperatur- und Feuchtemessungen abgeleitet werden kann. [266]
Für die Druckentlastung fasst der Review von Damiao und Gentry zusammen, dass Luftzellkissen als wirksame Option im Druckmanagement gelten, ihre Wirkung jedoch stark von korrekter Inflation und regelmäßigem Monitoring abhängt. Unter- oder Überinflation kann die Stabilität beeinträchtigen und das Risiko erhöhen. Für viskoelastische Flüssigkeits- und Gelkissen wird häufig eine stabile Basis und gute Druckverteilung beschrieben; vereinzelt werden auch Vorteile hinsichtlich der Scherkräfte berichtet. Als potenzielle Einschränkungen werden Gewicht, Kosten und ein mögliches Verrutschen des Kissens im Alltag genannt. [98]
Beide Reviews kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass nicht ein bestimmtes Material, sondern eine risikoadaptierte klinische Auswahl entscheidend ist. Je nach individueller Situation kann dabei entweder das Druckmanagement oder das Mikroklima im Vordergrund stehen. Assessment, Nutzer*innenaufklärung und laufendes Monitoring werden in diesem Zusammenhang als zentrale Bestandteile einer angemessenen Versorgung beschrieben. [266] [98]
Quellen
- Körperhaltung über 24 Stunden berücksichtigen: Berücksichtigen Sie die Körperhaltung der Person über einen Zeitraum von 24 Stunden, einschließlich der Positionen beim Schlafen, Sitzen, Stehen und Gehen.
- Sitzversorgung fachlich abklären: Ziehen Sie bei Personen mit Dekubitusrisiko, insbesondere wenn sie viel Zeit in sitzenden Positionen verbringen, Fachpersonen mit spezifischer Expertise in der Sitzversorgung hinzu (z.B. aus der Physio- oder Ergotherapie).
- Stuhl oder Rollstuhl individuell auswählen und konfigurieren: Wählen Sie Stuhl oder Rollstuhl auf Grundlage von Körpermaßen sowie funktionellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Person aus. Berücksichtigen Sie dabei Umwelt- und Lebensstilbedürfnisse, Komfort, persönliche Vorlieben sowie die Fähigkeit, in verschiedenen Sitzpositionen Gewicht zu verlagern. Achten Sie unter anderem auf ausreichende Breite, geeignete Armlehnenhöhe, eine passende Kombination aus Rückenlehne und Sitzkissen sowie auf verfügbare Ressourcen und Finanzierungsmöglichkeiten.
- Druckprävention mit Mobilität und Aktivität ausbalancieren: Schaffen Sie ein Gleichgewicht zwischen der Prävention von Druckverletzungen und der Förderung von Mobilität und Aktivität, da bestimmte Sitzpositionen oder Einstellungen die Mobilität und das Aufstehen einschränken können.
- Sitzversorgung regelmäßig neu bewerten: Bewerten Sie die Bedürfnisse der Person regelmäßig neu, da Veränderungen von Gewicht, Körpermaßen und funktionellen Fähigkeiten die Wahl und Anpassung von Stuhl oder Rollstuhl beeinflussen können.
- Im häuslichen Setting Unterstützungsbedarf mitdenken: Berücksichtigen Sie in häuslichen Umgebungen den Unterstützungsbedarf bei der Umpositionierung sowie verfügbare Stuhlfunktionen, die Gewichtsverlagerung oder Aufstehen erleichtern. Beziehen Sie bei Bedarf Fachpersonen ein, die auch die häusliche Umgebung beurteilen können.
- Sitzkissen individuell auswählen: Wählen Sie ein druckumverteilendes Sitzkissen auf Grundlage von Körpermaßen, funktionellen Bedürfnissen, Körperhaltung, Stabilität und Komfort der Person aus. Beraten Sie Personen, die lange sitzen, ein geeignetes Sitzkissen auch auf anderen Sitzgelegenheiten, etwa auf Reisen, zu verwenden.
- Materialeigenschaften des Kissens berücksichtigen: Berücksichtigen Sie bei der Auswahl des Kissens und des Bezugs Gewichtsbeschränkungen, Scherkräfte reduzierende Eigenschaften, Wärmeableitung sowie Luftaustausch. Achten Sie auf geeignete, möglichst atmungsaktive und anpassungsfähige Bezüge und berücksichtigen Sie individuelle Allergien oder Empfindlichkeiten gegenüber Materialien.
- Funktion und Zustand des Kissens regelmäßig prüfen: Überprüfen Sie druckumverteilende Kissen vor Gebrauch und regelmäßig im Verlauf des Tages auf korrekte Funktion, ausreichende Inflation, Durchsitzen sowie Erhalt der druckumverteilenden Eigenschaften. Schulen Sie selbstständige Rollstuhlfahrer*innen in Pflege, Wartung und Kontrolle von Kissen und Bezügen gemäß Herstellerangaben.
- Stabilität und Scherkräfte mitbeurteilen: Bewerten Sie bei der Nutzung druckumverteilender Kissen auch die Stabilität der Person und wägen Sie den Nutzen der Druckentlastung gegen mögliche Instabilität und Scherkräfte ab.
- Ungeeignete Sitzkissen vermeiden: Verwenden Sie keine ring- oder donutförmigen Sitzkissen.
- Bei hohem Risiko aktive Sitzsysteme prüfen: Prüfen Sie bei Personen mit hohem Druckverletzungsrisiko, die längere Zeit sitzen und keine Druckumverteilungsmanöver durchführen können, die potenziellen Vorteile eines Wechseldruck-Luftkissens.
- Druckbelastung auf Toiletten- und Hygienesitzen begrenzen: Vermeiden Sie es, Personen länger als nötig auf Bettpfannen, Toilettenstühlen oder Toiletten sitzen zu lassen. Erwägen Sie eine Kontinenzbeurteilung und einen Managementplan sowie bei Bedarf den Einsatz druckentlastender Toiletten- oder Duschstühle.
- Sitzplan personenzentriert entwickeln: Berücksichtigen Sie bei der Entwicklung eines Sitzplans regelmäßig die funktionellen Fähigkeiten, psychosozialen Bedürfnisse, Lebensqualität, Werte, Präferenzen und alltagsrelevanten Ziele der Person, insbesondere bei langfristigem Dekubitusrisiko.
- Haut- und Risikoassessments im Sitzen regelmäßig durchführen: Führen Sie bei Personen, die außerhalb des Bettes sitzen, regelmäßige Haut- und Risikoassessments durch, um die geeignete Dauer der Sitzphasen festzulegen.
Quellen
Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen sind spezielle Matratzen, Auflagen und integrierte Systeme, die dazu dienen, den Druck neu zu verteilen, Reibung und Scherkräfte zu reduzieren und das Mikroklima zu regulieren – alles Faktoren, die bei der Entstehung von Druckgeschwüren eine Rolle spielen. [137]
Die Druckumverteilung wird durch Umhüllungs- und Eintaucheigenschaften erreicht. Umhüllung ist die Fähigkeit der Auflagefläche, sich an die Körperform der Person anzupassen, und Eintauchen ist die Fähigkeit der Person, in die Unterstützungsoberfläche einzudringen oder darin einzusinken. Darüber hinaus verfügen einige Unterstützungsoberflächen über Eigenschaften, durch die sie das Mikroklima regulieren, d. h. die Feuchtigkeit an der Schnittstelle zwischen der Person und der Unterstützungsoberfläche kontrollieren. [137]
Unterstützungsoberflächen werden in aktive und reaktive Unterstützungsoberflächen unterteilt: [137]
- Aktive Unterstützungsoberfläche = eine motorisierte Unterstützungsoberfläche, deren Druckverteilungseigenschaften unabhängig von der ausgeübten Belastung verändert werden können. Ein Beispiel für eine aktive Auflagefläche ist eine Wechseldruckmatratze.
- Reaktive Unterstützungsoberfläche = eine motorisierte oder nicht motorisierte Unterstützungsoberfläche, deren Druckverteilungseigenschaften nur als Reaktion auf eine ausgeübte Belastung (z. B. eine auf der Oberfläche liegende Person) verändert werden können. Beispiele für reaktive Unterstützungsoberflächen sind druckumverteilender Schaumstoff, statische Luftmatratzen und Auflageflächen mit Niedrig-Luftverlust (Low-Air-Loss).
Die Wahl der Unterstützungsoberflächen hängt von mehreren Faktoren ab, was auch auf organisationaler Ebene für Einrichtungen von Bedeutung ist. Personen mit Risiko für Druckverletzungen haben unterschiedliche klinische Bedürfnisse, Präferenzen und Pflegeziele. Einrichtungen, die Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen bereitstellen, sollen daher verschiedene Auflageflächen mit unterschiedlichen Leistungs- und Designmerkmalen vorhaltenhaben, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Zudem sollen Richtlinien und Verfahren sicherstellen, dass die bereitgestellten Auflageflächen einschlägigen ISO-Normen entsprechen, regelmäßig gewartet und sicher verwendet werden. Regelmäßige Inspektionen sollen gewährleisten, dass die Unterstützungsoberflächen für den vorgesehenen Verwendungszweck sicher sind und sich innerhalb ihrer funktionalen Lebensdauer befinden. Auflageflächen und Bettrahmen ohne druckumverteilende Leistungsmerkmale, mit Wartungsbedarf oder überschrittener funktionaler Lebensdauer sollen aus dem Verkehr gezogen werden. [137]
Eine Ganzkörperauflage soll in Größe und Gewichtsverteilung zur jeweiligen Person passen, damit ihre Leistungsmerkmale wie vorgesehen funktionieren. Sie soll ausreichend breit sein, um Umpositionierung und Mobilität im Bett zu erleichtern und die Sicherheit zu fördern. Bei der Auswahl sind gemäß Herstellerangaben der individuelle Bedarf, das Alter und der Körperbau der Person zu berücksichtigen. Ganz allgemein stellt aber eine reaktive druckverteilende Schaumstoffauflage die erste Wahl für Personen mit einem Risiko für Druckgeschwüre dar. [137]
Aus klinischen oder praktischen Gründen kann ein Wechsel auf eine andere Auflagefläche erforderlich sein. Dies ist insbesondere dann zu erwägen, wenn eine Person ein mittleres oder hohes Risiko für Druckverletzungen hat und/oder bereits auf einer reaktiven druckverteilenden Schaumstoffauflage eine Druckverletzung entwickelt hat. [137]
Neben reaktiven druckverteilenden Schaumstoff-Ganzkörperauflagen stehen weitere Auflageflächen zur Verfügung, für die im Vergleich zu anderen Auflageflächen eine Verringerung der Häufigkeit von Druckverletzungen beschrieben wurde. Dazu zählen Wechseldruckluftsysteme (aktiv), Luftsysteme ohne geringem Luftverlust (reaktiv), medizinische Schaffelle, Luftsysteme mit Niedrig-Luftverlust (Low-Air-Loss) und Mikroklimamanagement (reaktiv) sowie Air-Fluidised-Betten bzw. entsprechende Therapiesysteme (reaktiv). [137]
Angesichts der Vielzahl verfügbarer Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen sollten je nach klinischem Kontext unterschiedliche Leistungsmerkmale berücksichtigt werden. Eine Bewertung des Risikos für Druckverletzungen hilft, individuelle Risiken zu identifizieren und die Auswahl einer geeigneten Ganzkörperauflagefläche zu erleichtern. Darüber hinaus sollten weitere klinische und funktionelle Bedürfnisse sowie die Präferenzen der betroffenen Person in die Entscheidung einfließen. Um die Wirksamkeit der Unterstützungsoberfläche zu beurteilen, sind regelmäßige Haut- und Gewebeuntersuchungen erforderlich. Die nachfolgende Tabelle bietet eine allgemeine Zusammenfassung einiger Aspekte, die bei der Bewertung der verschiedenen Optionen für Ganzkörperauflagen im Hinblick auf die individuellen klinischen Bedürfnisse zu berücksichtigen sind. [137]
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Quellen
Im direkten Vergleich mit Auflagen, die aus nicht druckverteilendem Schaumstoff bestehen, wird für Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen die Verwendung einer druckentlastenden Ganzkörper-Unterstützungsoberfläche aus Schaumstoff empfohlen. [137]
Die Evidenzsicherheit war jedoch gering und wurde aufgrund von Bias und Inkonsistenz herabgestuft. Untersucht wurden verschiedene druckverteilende Schaumstoffmatratzen, die mit Standard-Krankenhausmatratzen aus Polypropylen/Vinyl verglichen wurden. In den meisten klinischen Settings gelten reaktive druckverteilende Schaumstoff-Ganzkörperauflagen als akzeptabel und umsetzbar, auch wenn der Zugang in ressourcenarmen Umgebungen variieren kann. [137]
Trotz geringer Evidenzsicherheit wurde im Rahmen einer aktuellen Leitlinie eine starke Empfehlung ausgesprochen, da das Risiko einer Schädigung bei Nichtverwendung einer Ganzkörperauflage mit Druckverteilungseigenschaften für Personen mit Druckgeschwür-Risiko als hoch eingeschätzt wurde. Demnach sollte eine reaktive druckverteilende Ganzkörper-Unterstützungsoberfläche aus Schaumstoff die erste Wahl für Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen sein. [137]
Quellen
Im direkten Vergleich zwischen luftgefüllten reaktiven Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen und druckverteilenden reaktiven Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen aus Schaumstoff kann für Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen die Verwendung sowohl für das eine als auch für das andere Systeme empfohlen werden. [137]
Eine Metaanalyse von vier randomisierten kontrollierten Studien zeigte, dass luftgefüllte reaktive Ganzkörperunterstützungssysteme im Vergleich zu reaktiven druckverteilenden Schaumstoff-Ganzkörperunterstützungssystemen mit einer statistisch signifikant geringeren Rate an Druckgeschwüren verbunden waren (RR 0,42; 95 %-KI 0,18–0,96; p = 0,04), entsprechend 160 weniger Druckgeschwüren pro 1.000 Personen (von 226 bis 11 weniger). Beide Auflagenarten zeigten einen präventiven Effekt, die Evidenzsicherheit war jedoch sehr gering. Die Evidenz wurde aufgrund von Bias, indirekter Evidenz und Inkonsistenz herabgestuft. [145] [400] [399] [71] [428]
Die eingeschlossenen Studien untersuchten unterschiedliche luftgefüllte reaktive Ganzkörperunterstützungssysteme und verglichen sie mit verschiedenen reaktiven druckverteilenden Schaumstoffsystemen. Die Studien wurden in unterschiedlichen Zeiträumen und Settings durchgeführt, darunter Intensivsetting und Langzeitpflegesetting, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränkt. [145] [400] [399] [71]
Zu unerwünschten Wirkungen ergab sich kein einheitliches Bild. Im Rahmen der Entwicklung einer aktuellen Leitlinie wurde darauf hingewiesen, dass bei luftgefüllten reaktiven Materialien ein unbemerkter Luftverlust auftreten kann, der das Risiko für Druckverletzungen erhöhen kann. Zudem können einige dieser Systeme höhere Kosten verursachen, mehr pflegerische Ressourcen für regelmäßige Kontrollen erfordern und auf eine zuverlässige Stromversorgung angewiesen sein. Dies kann die Umsetzbarkeit insbesondere in ressourcenarmen Settings einschränken. Diese Aussagen betreffen vor allem Machbarkeit und Implementierung und stellen keine direkte Wirksamkeitsevidenz dar. [137]
Die Entscheidung für ein luftgefülltes reaktives Ganzkörperunterstützungssystem soll sich am individuellen Dekubitusrisiko, an der selbstständigen Mobilität im Bett, an weiteren klinischen Bedürfnissen, an Verfügbarkeit und Machbarkeit im jeweiligen Kontext sowie an den persönlichen Präferenzen orientieren. [137]
Quellen
Im direkten Vergleich zwischen luftgefüllten aktiven wechseldruckbasierten Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen und druckverteilenden reaktiven Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen aus Schaumstoff kann für Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen die Verwendung sowohl für das eine als auch für das andere Systeme empfohlen werden. [137]
Eine Metaanalyse von vier randomisierten kontrollierten Studien zeigte, dass aktive luftgefüllte Ganzkörperunterstützungssysteme im Vergleich zu reaktiven druckentlastenden Schaumstoff-Ganzkörperunterstützungssystemen mit einer nicht signifikant niedrigeren Dekubitusrate verbunden waren (RR 0,63; 95 %-KI 0,34–1,17; p = 0,14), entsprechend 39 weniger Dekubitusfällen pro 1.000 Personen. Die Evidenzlage ist gering und wurde aufgrund des Risikos für Bias und Ungenauigkeit herabgestuft. Der tatsächliche Effekt könnte zwischen 69 weniger und 18 mehr Personen mit Dekubitus bei Verwendung eines aktiven luftgefüllten Systems liegen. [276] [319] [133] [49] [137]
Eine randomisierte kontrollierte Studie deutete darauf hin, dass aktive Wechseldruck-Luftsysteme im Vergleich zu reaktiven druckentlastenden Schaumstoffsystemen wahrscheinlich mäßig kosteneffektiv sind, wenn die Kosten einer Druckverletzung der Kategorie 3 berücksichtigt werden. Die Evidenz hierfür ist jedoch sehr gering, ebenfalls aufgrund von Bias und Ungenauigkeit. [276]
Sie gelten daher als akzeptable Unterstützungsoption. Die Kosten der Systeme und die Verfügbarkeit einer zuverlässigen Stromversorgung können den Einsatz motorisierter Systeme in ressourcenarmen Einrichtungen und in einigen klinischen Bereichen, etwa im ambulanten Bereich, einschränken. In solchen Settings kann eine reaktive druckentlastende Schaumstoffmatratze verwendet werden.
Sofern verfügbar, können aktive wechseldruckbasierte Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen klinisch und wirtschaftlich vorteilhaft sein, insbesondere für Personen mit hohem Dekubitusrisiko, etwa Intensivpatientinnen, oder für Personen, die aus Komfortgründen oder wegen seltenerer Umpositionierungen eine alternative Positionierungsmöglichkeit benötigen, etwa in der Palliativ- oder Sterbebegleitung. Diese Aussagen beziehen sich teilweise auf Umsetzbarkeit, Kontext und Expertinnenbewertung und nicht ausschließlich auf direkte Wirksamkeitsevidenz. [137]
Quellen
Im direkten Vergleich zwischen luftgefüllten aktiven wechseldruckbasierten Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen und luftgefüllten reaktiven Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen kann für Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen die Verwendung sowohl für das eine als auch für das andere Systeme empfohlen werden. [137]
Eine Metaanalyse von fünf randomisierten kontrollierten Studien zeigte, dass aktive wechseldruckbasierte Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen im Vergleich zu luftgefüllten reaktiven Ganzkörper-Unterstützungssystemen mit einer statistisch signifikant höheren Rate an Druckverletzungen verbunden waren (RR 1,81; 95 %-KI 1,00–3,27; p = 0,05). Dies entspricht 19 zusätzlichen Fällen von Druckverletzungen pro 1.000 Personen bei aktiven wechseldruckbasierten Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen im Vergleich zu luftgefüllten reaktiven Ganzkörper-Unterstützungssystemen (luftgefüllte reaktive Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen, die mit dem absichtlichen Verlust von Luft (Low-Airloss) arbeiten, waren dabei ausgeschlossen.) Die Evidenz ist jedoch sehr unsicher und wurde aufgrund von Bias-Risiko und Ungenauigkeit herabgestuft. Daten zu schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen lagen nicht vor. [348] [206] [315] [375] [307] [137] [430]
Motorisierte Luftunterlagen, aktiv oder reaktiv, erfordern eine anfängliche Investition und eine zuverlässige Stromversorgung. Die damit verbundenen Kosten können je nach klinischem und geografischem Kontext variieren. Beide Systeme müssen regelmäßig auf Funktion, etwa Luftverlust, und Zustand überprüft werden. Bei der Wahl zwischen aktiven und reaktiven luftgefüllten Ganzkörper-Unterstützungssystemen sollen neben dem Ressourcenbedarf auch die Möglichkeit für die betroffene Person, sich umzupositionieren, das Ein- und Aussteigen, der Komfort, persönliche Präferenzen und die Pflegeumgebung berücksichtigt werden. Diese Aussagen betreffen vor allem Machbarkeit und Implementierung und nicht direkte Wirksamkeitsevidenz. [137]
Insgesamt ist festzuhalten, das druckverteilende reaktive Ganzkörper-Unterstützungssysteme aus Schaumstoff für viele Personen mit Risiko für Druckverletzungen häufig ausreichend sind. Luftgefüllte aktive wechseldruckbasierte oder luftgefüllte reaktive Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen werden in der Regel Personen mit höherem Risiko oder mit sich verschlechterndem Haut- oder Allgemeinzustand vorbehalten. [137]
Quellen
Es wird empfohlen, fasergefüllte Unterstützungsoberflächen bei gefährdeten Personen nicht zur Prävention von Druckverletzungen einzusetzen, wenn eine druckumverteilende reaktive Ganzkörper-Unterstützungsoberfläche aus Schaumstoff verfügbar ist. [137]
Eine in einer Metaanalyse eingeschlossene randomisierte kontrollierte Studie, verglich eine Faserauflage mit einer druckentlastenden Schaumstoffauflage. Die Metaanalyse zeigte, dass Faserauflagen mit einer nicht signifikant niedrigeren Rate an Druckgeschwüren verbunden waren (RR 0,86; 95 %-KI 0,18–0,96; p = 0,62), entsprechend 58 weniger Personen pro 1.000, mit einem Bereich von 218 weniger bis 235 mehr Personen pro 1.000. Die Evidenz der eingeschlossenen Studie wurde jedoch aufgrund von Biasrisiko und Ungenauigkeit herab- und als sehr unsicher eingestuft. Zudem stammt sie aus den 1980er Jahren und ist daher nur eingeschränkt auf aktuell verfügbare Faserauflagen übertragbar. Daten zu Ressourcenbedarf und Kosteneffektivität lagen nicht vor. [49] [429]
Aus diesen Gründen wird im Rahmen einer aktuellen Leitlinie empfohlen, Faserauflagen nicht zu verwenden, wenn eine reaktive druckentlastende Schaumstoffauflage verfügbar ist. Wenn keine anderen Optionen zur Verfügung stehen, kann eine Faserauflage eine Form der Druckentlastung bieten. [137]
Quellen
Es wird empfohlen, luftfluidisierte (air-fluidised) Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen bei gefährdeten Personen nicht routinemäßig zur Prävention von Druckverletzungen einzusetzen. [137]
Erläuterungen: [137]
- Luftfluidisierte (air-fluidised) Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen können für Patientinnen mit sehr hohem Risiko für Druckverletzungen (z. B. immobile Patientinnen mit großflächigen Verbrennungen) oder für Patient*innen, die bereits eine Druckverletzung auf einem anderen Ganzkörperunterstützungssystem erlitten haben, in Betracht gezogen werden.
- Luftfluidisierte (air-fluidised) Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen können für Patient*innen mit bestehendem Dekubitus oder nach chirurgischer Rekonstruktion mit Lappenplastiken/Transplantaten eingesetzt werden.
Unter luftfluidisierten (air-fluidised) Unterstützungsoberflächen werden Unterstützungsoberflächen verstanden, die einen Luftstrom durch ein Medium (z. B. Kügelchen/Perlen) nutzen und dadurch einen flüssigkeitsähnlichen Zustand erzeugen. Ziel ist es, Druckumverteilung sowie das Management von Mikroklima und Scherkräften zu ermöglichen. [137]
Eine Metaanalyse von zwei randomisierten kontrollierten Studien zeigte, dass luftfluidisierte (air-fluidised) Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen im Vergleich zu reaktivem druckverteilendem Schaumstoff und luftgefüllten aktiven wechseldruckbasierten Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen mit einer nicht signifikant niedrigeren Rate an Druckverletzungen verbunden waren (RR 0,66; 95 %-KI 0,34–1,28; p = 0,22), entsprechend 96 weniger Personen pro 1.000, mit einem Bereich von 187 weniger bis 79 mehr Personen pro 1.000. Die Evidenz war von sehr geringer Sicherheit und wurde aufgrund von Biasrisiko, Indirektheit und Ungenauigkeit herabgestuft. Die potenziellen erwünschten Effekte wurden als gering eingeschätzt und durch hohe Kosten, Ressourcenbedarf, eingeschränkte Machbarkeit sowie unerwünschte Effekte überlagert. Genannt werden insbesondere der Bedarf an zuverlässiger Stromversorgung, Platz- und bauliche Anforderungen, Belastungen für das Pflegepersonal, Austrocknung bzw. Dehydratation, Schwierigkeiten bei selbstständiger oder fremder Umpositionierunglagerung sowie Desorientierung. Diese Aussagen betreffen vor allem Umsetzbarkeit und Nutzen-Schaden-Abwägung und nicht direkte Wirksamkeitsevidenz. [145] [137] [427]
Trotz dieser Einschränkungen werden klinische Situationen beschrieben, in denen ein luftgefülltes Ganzkörperunterstützungssystem geeignet sein kann, etwa bei stark immobilen und schwerkranken Patient*innen, bei Personen, die bereits auf einem druckentlastenden Ganzkörperunterstützungssystem eine Druckverletzung entwickelt haben, sowie zur Prävention neuer Druckverletzungen nach operativer Rekonstruktion einer früheren Druckverletzung. [137]
Quellen
Es wird empfohlen, luftgefüllte reaktive Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen mit Niedrig-Luftverlust (Low-Air-Loss) bei gefährdeten Personen zur Prävention von Druckverletzungen einzusetzen, insbesondere wenn Feuchtigkeit und Wärme an der Hautoberfläche zu den Risikofaktoren beitragen. [137]
Niedrig-Luftverlust bezeichnet im Zusammenhang mit Unterstützungsoberflächen eine Eigenschaft, bei der Luft unter einer wasserdampfdurchlässigen Abdeckung zirkuliert, um die Feuchtigkeit bzw. das Mikroklima an der Kontaktfläche zwischen der betroffenen Person und der Unterstützungsfläche zu regulieren. [289]
Es wurde eine Metaanalyse von drei randomisierten kontrollierten Studien zu luftgefüllten reaktiven Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen mit Niedrig-Luftverlust (Low-Air-Loss) durchgeführt. Diese zeigte, dass solche Systeme im Vergleich zu einer Wechseldruckmatratze, einer reaktiven Polyurethan-Druckverteilungsmatratze mittlerer Dichte und einer Standard-Krankenhausmatratze aus Vinyl mit einer nicht signifikant niedrigeren Rate an Druckgeschwüren verbunden waren (RR 0,76; 95 %-KI 0,06–9,13; p = 0,83), entsprechend 30 weniger Personen pro 1.000, mit einem Bereich von 118 weniger bis 1.000 mehr Personen pro 1.000. Die Evidenzqualität wurde aufgrund von Biasrisiko, Inkonsistenz und Ungenauigkeit als sehr gering herabgestuft. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden in den eingeschlossenen Studien nicht berichtet. [207] [319] [137]
Allerdings können luftgefüllte reaktive Ganzkörper-Unterstützungsoberflächen mit Niedrig-Luftverlust (Low-Air-Loss) mit einem erhöhten Risiko für Dehydratation verbunden sein. In diesem Zusammenhang sollte das Potenzial für nicht wahrnehmbare Flüssigkeitsverluste (insensible Flüssigkeitsverluste, d. h. nicht leicht messbare Flüssigkeitsverluste) bedacht und gegebenenfalls entsprechende medizinisch-therapeutische Fachpersonen (Diätolog*innen) konsultiert werden. [2]
Aufgrund des moderaten Ressourcenbedarfs werden reaktive Ganzkörperunterstützungssysteme mit Niedrig-Luftverlust (Low-Air-Loss) als mögliche Option für Personen mit sehr hohem Risiko für Druckverletzungen beschrieben. Sie können zudem zur Feuchtigkeitsregulierung bei Personen mit ausgeprägter Feuchtigkeitsbelastung angezeigt sein. Diese Aussagen betreffen vor allem klinische Einordnung und Umsetzungswissen und nicht direkte Wirksamkeitsevidenz. Der Zugang zu solchen Systemen ist in vielen geografischen und klinischen Settings eingeschränkt. [137]
Quellen
Medizinisches Schaffell kann, sofern regional verfügbar, bei Personen mit Risiko für Druckverletzungen verwendet werden. Bei der Anwendung ist der mögliche Einfluss auf die Ganzkörper-Unterstützungsoberfläche zu berücksichtigen. [137]
Erläuterungen: [137]
- Medizinische Schaffelle werden nicht empfohlen, wenn eine Auflage mit druckentlastenden Eigenschaften vorhanden ist.
- Es sollten ausschließlich medizinische Schaffelle verwendet werden. Nicht-medizinische Schaffelle bieten nicht die gleichen mikroklimaregulierenden Eigenschaften und können das Risiko für Druckgeschwüre erhöhen.
- Es ist sicherzustellen, dass medizinische Schaffelle die druckentlastenden Eigenschaften der Auflage nicht beeinträchtigen.
Eine Metaanalyse von drei randomisierten kontrollierten Studien zeigte, dass medizinische Schaffelle im Vergleich zu anderen Unterlagen mit einer nicht signifikant niedrigeren Rate an Druckverletzungen verbunden waren (RR 0,59; 95 %-KI 0,33–1,05; p = 0,074). In den eingeschlossenen Studien waren die Vergleichsunterlagen entweder nicht näher spezifiziert oder es handelte sich um Vinylmatratzen ohne druckentlastende Eigenschaften. Die Verwendung medizinischer Schaffelle könnte den Anteil der Personen mit neu auftretenden Druckverletzungen reduzieren; die Analyse ergab 19 weniger Druckverletzungen pro 1.000 Personen, mit einem Bereich von 31 weniger bis 2 mehr. Die Evidenz ist jedoch sehr unsicher und wurde aufgrund von Bias, indirekter Evidenz und Ungenauigkeit herabgestuft. Daten zu schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen lagen nicht vor. [362] [151] [64] [169]
Medizinische Schaffelle werden häufig in ressourcenarmen Settings eingesetzt, jedoch liegen keine Angaben zu den Kosten und keine Kosten-Nutzen-Analysen vor. Die Entscheidung für den Einsatz eines medizinischen Schaffells zusätzlich zu einer druckentlastenden Unterlage soll den Zugang zu geeigneten Produkten und Waschmöglichkeiten, die klinischen Bedürfnisse der Person, ihre Reaktion auf die Oberfläche, insbesondere im Hinblick auf das Mikroklima, sowie die individuelle Akzeptanz berücksichtigen. Diese Aussagen betreffen vor allem Machbarkeit, Akzeptanz und Umsetzungswissen und nicht direkte Wirksamkeitsevidenz. [362] [137]
Quellen
Es ist bewährte Praxis, bei medizinischen Maßnahmen sowie beim Transport von Personen mit Risiko für Druckverletzungen eine Ganzkörper-Unterstützungsoberfläche mit druckumverteilenden Eigenschaften zu verwenden. [137]
Im Zusammenhang mit dem Transport einer Person mit Verdacht auf Rückenmarksverletzung ist es bewährte Praxis, die Person nach der Aufnahme so bald wie medizinisch vertretbar und in Abstimmung mit einer entsprechend qualifizierten Gesundheitsfachperson von einem Spineboard/Backboard umzulagern. [137]
Personen mit eingeschränkter Mobilität oder Inaktivität haben bei Kontakt mit jeder Auflagefläche ein Risiko für Druckgeschwüre. Dies betrifft auch Transportphasen, Wartezeiten vor klinischen Untersuchungen oder in der Notaufnahme sowie medizinische Untersuchungen und Eingriffe. Eine umfassende Risikobewertung für Druckgeschwüre ist in diesen Situationen, insbesondere im Rettungswagen, häufig nicht möglich, wenn andere akute Behandlungsprioritäten bestehen. Der frühzeitige Einsatz eines Ganzkörperunterstützungssystems bei Personen mit Druckgeschwürrisiko gilt daher als bewährte Praxis. [137]
Personen mit Verdacht auf eine Rückenmarksverletzung werden vor der stationären Aufnahme häufig mit einer Halskrause und einem Wirbelsäulenbrett oder einer Rückenplatte versorgt, um die Wirbelsäulenbewegung einzuschränken. Diese Immobilisierung, insbesondere auf einem Wirbelsäulenbrett, ist mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen einschließlich Druckgeschwüren verbunden. Es gilt als bewährte Praxis, die Person so bald wie klinisch möglich von einem Wirbelsäulenbrett oder einer Rückenplatte auf eine druckentlastende Unterlage zu verlagern. [137]
Quellen
- Bestand an Auflageflächen regelmäßig überprüfen und an den Bedarf anpassen: Überprüfen Sie regelmäßig alle in der Einrichtung verfügbaren Auflageflächen und stellen Sie sicher, dass sie für den Gebrauch geeignet sind und die Leistungskriterien zur Druckumverteilung erfüllen. Passen Sie den Bestand an die demografische Zusammensetzung und das Risikoprofil der versorgten Personen an.
- Austausch, Leistungsprüfung und Reinigung organisatorisch absichern: Richten Sie ein Programm zum Austausch von Auflageflächen ein, damit funktional veraltete Systeme aus dem Verkehr gezogen und ersetzt werden. Stellen Sie eine regelmäßige Leistungsprüfung sicher, etwa durch vertragliche Unterstützung oder geschultes Personal, und reinigen Sie Auflageflächen gemäß den Herstellerempfehlungen zur Infektionskontrolle.
- Klinischen und baulichen Kontext bei Auswahl und Bestand berücksichtigen: Berücksichtigen Sie bei der Auswahl und Bevorratung von Ganzkörperauflagen den klinischen Kontext sowie infrastrukturelle Anforderungen, etwa Bettgewicht, Gebäudestruktur, Türbreiten, Stromversorgung sowie geeignete Standorte und Belüftungsanforderungen für Pumpen oder Motoren.
- Sichere Passform und Anwendung der Auflageflächen sicherstellen: Stellen Sie sicher, dass Matratzen und Auflagen korrekt am Bett befestigt sind, die geltenden Sicherheitsvorgaben eingehalten werden und ausreichend Abstand zu Bettseitenteilen sowie zum Fußteil besteht. Die Auflagefläche sollte ausreichend breit sein, damit eine sichere Umpositionierung möglich ist.
- Ausrüstung im Gebrauch regelmäßig kontrollieren: Überprüfen Sie die Auflageflächen mindestens einmal täglich während des Gebrauchs auf Sicherheit, Funktionalität und Eignung.
- Besonderheiten bei Neugeborenen und Kindern beachten: Stellen Sie sicher, dass Matratzen und Auflagen bei Neugeborenen und Kindern die richtige Größe haben, altersgerecht sind, korrekt angepasst werden und den geltenden Sicherheitsstandards einschließlich der Sicherheit beim Schlafen entsprechen. Verwenden Sie bei Neugeborenen nur die im Inkubator eingebaute Auflagefläche. Für Neugeborene und Kinder können spezielle Positionierungshilfen eingesetzt werden; luftgefüllte reaktive oder aktive Ganzkörperunterstützungssysteme sollen bei Neugeborenen und Kleinkindern nicht verwendet werden.
- Anforderungen im häuslichen Setting mitbedenken: Berücksichtigen Sie im häuslichen Setting vor der Empfehlung einer Ganzkörperauflage die räumlichen und technischen Voraussetzungen, persönliche Präferenzen sowie die Situation bei gemeinsam genutzten Betten. Informieren Sie die betroffene Person und informelle BezugspersonPflegepersonen über Inspektion, Wartung, Reinigung und den Zugang zu Wartungsdiensten.
- Organisationsinterne und herstellerspezifische Vorgaben befolgen: Befolgen Sie vorhandene organisationsinterne Protokolle zur Auswahl von Auflageflächen sowie die Herstellerangaben zu Gewicht, Größe, Körperbau und Anwendung.
- Schaumstoffauflagen gezielt auswählen und ihre Funktion erhalten: Ermitteln Sie, welche Arten von Schaumstoffauflagen verfügbar sind und ob sie die Standards zur Druckumverteilung erfüllen. Achten Sie darauf, dass Bettwäsche und zwischengelegte Produkte die Funktion der Auflagefläche nicht beeinträchtigen, faltenfrei angelegt sind und nicht in mehreren Lagen unter der Person liegen.
- Auswahl der Ganzkörperauflage individuell treffen und dokumentieren: Berücksichtigen Sie bei der Auswahl die bisherige Reaktion der Person auf verschiedene Auflageflächen und dokumentieren Sie die Gründe für die getroffene Entscheidung. Führen Sie weiterhin regelmäßige Haut- und Gewebeuntersuchungen durch und überprüfen Sie die Auswahl der Auflage sowie andere Präventionsmaßnahmen, wenn die erwartete Wirkung ausbleibt.
- Eignung der Auflage im Verlauf regelmäßig neu bewerten: Berücksichtigen Sie bei der Auswahl und weiteren Nutzung einer Ganzkörperauflage auch, wie sie die Eigenrepositionierung und das sichere Aufstehen beeinflusst. Überprüfen Sie die Eignung regelmäßig bei Veränderungen des klinischen Zustands, der Mobilität oder des Versorgungsziels.
- Besondere klinische Situationen bei der Auswahl berücksichtigen: Wählen Sie bei übergewichtigen oder adipösen Personen Auflageflächen mit verbesserter Druckentlastung, Scherkraftreduzierung und Mikroklimaregulierung. Wählen Sie in der Palliativversorgung Auflageflächen unter Berücksichtigung von Hautempfindlichkeit, Druckverletzungsrisiko, Pflegezielen und Komfort.
- Reaktive und aktive Luftsysteme bedarfsgerecht einsetzen: Berücksichtigen Sie bei der Auswahl zwischen reaktiven Luftsystemen und aktiven Wechseldrucksystemen die individuellen klinischen Bedürfnisse hinsichtlich Druckverteilung, Scherkraftmanagement und Mikroklimaregulierung. Ziehen Sie diese Systeme insbesondere bei höherem Risiko oder sich verschlechterndem klinischem oder Hautzustand in Betracht.
- Luftgefüllte und motorbetriebene Systeme regelmäßig kontrollieren: Überprüfen Sie luftgefüllte Ganzkörperunterstützungssysteme vor Gebrauch und regelmäßig im Verlauf auf korrekte Funktion, passenden Druck sowie gegebenenfalls erforderliche Anpassungen. Kontrollieren Sie bei motorbetriebenen Systemen regelmäßig, ob Stromversorgung und Betriebsbereitschaft sichergestellt sind.
- Besonderheiten motorbetriebener Systeme beachten: Berücksichtigen Sie bei motorbetriebenen Systemen die Auswirkungen von Geräuschentwicklung und zyklischer Bewegung. In der Palliativversorgung kann eine aktive Wechseldruck-Luftmatratze erwogen werden, sofern dies den Pflegezielen und dem Komfort entspricht.
- Motorbetriebene Systeme im häuslichen Umfeld absichern: Weisen Sie im häuslichen Setting die betroffene Person und ihre An- und Zugehörigen an, die Stromversorgung motorbetriebener Systeme regelmäßig zu überprüfen, und stellen Sie sicher, dass ein Notfallplan für Stromausfälle vorhanden ist. In Regionen mit unzuverlässiger Stromversorgung sollten nicht-motorbetriebene Alternativen bevorzugt werden.
- Besonderheiten von mikroklimaregulierenden Auflagen beachten: Beurteilen und unterstützen Sie bei Auflagen mit verbesserten Mikroklimamanagement-Eigenschaften die Hautfeuchtigkeit und allgemeine Hydratation. Bewerten Sie außerdem, ob die Person sich in einem solchen System bewegen und daraus aufstehen kann, und ziehen Sie bei wiederhergestellter Mobilität gegebenenfalls ein anderes Ganzkörperunterstützungssystem in Betracht. Ein System mit Mikroklimamanagement-Eigenschaften ist nicht erforderlich, um erhöhte Feuchtigkeit bei stark exsudierenden Wunden oder Inkontinenz zu regulieren.
- Medizinisches aSchaffell nur nach sorgfältiger Abwägung einsetzen: Berücksichtigen Sie bei der Entscheidung für medizinisches Schaffell den klinischen Kontext, den Wäscheaufwand, mögliche Auswirkungen auf die Funktion anderer Auflageflächen, Wärmeentwicklung, Akzeptanz sowie Veränderungen des Mikroklimas. Überprüfen Sie die Entscheidung regelmäßig. Medizinische Schaffelle sind nur für den jeweiligen Gebrauch bei einer Person bestimmt und im Allgemeinen nicht für Neugeborene und Kleinkinder geeignet.
Quellen
Bedingte Empfehlung
Sehr geringe Evidenzsicherheit: Bei Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen, die sich nicht selbstständig umpositionieren können, wird empfohlen, die Verwendung von reibungsarmen Textilien in Betracht zu ziehen [137]
Textilien mit niedrigem Reibungskoeffizienten wurden als Strategie zur Reduktion von Reibung und Scherkräften zwischen Person und Auflagefläche untersucht. Sie werden in der Literatur als seidenähnliche Spezialtextilien oder reibungsarme Gewebe beschrieben und kommen unter anderem als Bettwäsche, Patient*innenhemden oder Socken zum Einsatz. [344] [342]
Eine Metaanalyse aus einer RCT und fünf nicht randomisierten Studien zeigte, dass reibungsarme Stoffe im Vergleich zu Baumwollmischgeweben mit einer geringeren Rate an Druckverletzungen verbunden waren (RR 0,33; 95 % KI 0,17–0,62; p < 0,001), entsprechend 73 weniger Druckverletzungen pro 1.000 Personen. Die Ergebnissicherheit ist jedoch sehr gering. [177] [217] [407] [77] [344] [342] [137]
Die Studien wurden in unterschiedlichen Settings durchgeführt, darunter Pflegeheime, medizinische Einrichtungen, orthopädische Stationen und Intensivstationen, meist über Zeiträume von bis zu zwei Wochen. In den meisten Studien wurden komplette Bettwäsche-Sets und Patient*innenhemden verwendet; eine Studie untersuchte reibungsarme Socken zur Prävention von Fersendruckverletzungen. Unerwünschte Wirkungen wurden in den eingeschlossenen Studien nicht berichtet. In einer Studie wurden Personen ausgeschlossen, wenn ihr Sturzrisiko während des Studienzeitraums zunahm, da angenommen wurde, dass reibungsarme Socken das Sturzrisiko erhöhen könnten (Cleves et al., 2022). Diese Aussage betrifft potenzielle Sicherheitsaspekte und nicht direkte Wirksamkeitsevidenz. [177] [217] [407] [77] [344] [342]
Zum Ressourcenbedarf lagen keine direkten Studiendaten vor. Eine Kostenanalyse aus dem Vereinigten Königreich deutete darauf hin, dass die Einsparungen durch verhinderte Druckverletzungen die Einführungskosten reibungsarmer Stoffe übersteigen könnten. Diese Analyse war jedoch auf eine Region im Vereinigten Königreich beschränkt und wies ein hohes Verzerrungspotenzial auf. [77]
Quellen
- Sturzrisiko im Zusammenhang mit rutschfesten Stoffsocken beurteilen: Bewerten Sie bei ambulanten Personen das Sturzrisiko im Zusammenhang mit rutschfesten Stoffsocken.
- Auswirkungen auf die Mobilität im Bett prüfen: Bewerten Sie die Auswirkungen rutschfester Stoffe auf die Mobilität im Bett, insbesondere wenn die Aktivität der Person zunimmt.
- Herstellerangaben zur Pflege und Wäsche umsetzen: Befolgen Sie die Herstellerangaben zur Pflege und Wäsche rutschfester Stoffe und nehmen Sie bei Bedarf entsprechende Prozessanpassungen auf Einrichtungsebene vor.
- Bei Einführung in den Bestand gezielt informieren: Informieren Sie medizinisches Fachpersonal, Patient*innen und informelle Betreuungspersonen, wenn reibungsarme Stoffe in den Bestand aufgenommen werden.
Quellen
Sehr niedrige Evidenzsicherheit: Bei Personen mit einem hohen Risiko für Druckverletzungen wird empfohlen, einen mehrlagigen, weichen Silikon-Schaumverband auf dem Kreuzbein (Os Sacrum) und den Fersen zu verwenden, sofern die Ressourcen dies zulassen. [137]
Präventive Verbände sind für die Anwendung auf intakter Haut entwickelt und sollen die anhaltende Belastung von Haut und Weichgewebe durch mechanische Kräfte reduzieren. [301]
Untersucht wurden verschiedene Verbandarten; in jüngerer Zeit konzentriert sich die Evidenz vor allem auf mehrlagige weiche Silikonschaumverbände. [137]
Eine Metaanalyse von 18 RCTs zeigte, dass mehrlagige Weichsilikonschaumverbände im Vergleich zu keiner Verwendung eines präventiven Verbands mit einer geringeren Rate an Druckverletzungen verbunden waren (RR 0,46; 95 % KI 0,32–0,65; p < 0,0001), entsprechend 53 weniger Druckverletzungen pro 1.000 Personen. Das Ergebnis wurde jedoch als sehr unsicher beschrieben. Die Studien wurden in Intensivstationen, medizinischen und chirurgischen Stationen, Notaufnahmen sowie in der Alten- und Langzeitpflege durchgeführt. Die Evidenz bezog sich vor allem auf Sakrum und Ferse, deutlich weniger auf andere anatomische Stellen. [50] [270] [181] [397] [267] [205] [138] [346] [296] [309] [67] [140] [225] [96] [411] [240] [60] [137] [228]
Die Verbände wurden in den Studien meist täglich kontrolliert und bei Verschmutzung oder Verrutschen gewechselt. Der Austausch erfolgte je nach Studie täglich, alle drei oder vier Tage oder wöchentlich. Die Studiendauer lag zwischen vier Tagen und sechs Wochen; in etwa der Hälfte der Studien wurden die Verbände höchstens zwei Wochen verwendet. [137]
In der größten Studie traten unerwünschte Wirkungen bei 3 % der Teilnehmenden auf. [270]
Der Zugang zu präventiven Verbänden außerhalb tertiärer Versorgungseinrichtungen, also Krankenhäusern, kann unterschiedlich und in manchen Regionen entsprechend begrenzt sein, was Auswirkungen auf die Anwendung solcher Verbände in unterschiedlichen klinischen Settings haben kann. Kostenanalysen deuteten darauf hin, dass präventive Verbände mit wirtschaftlichen Einsparungen verbunden sein können, wobei die Kosteneffizienz je nach Setting und individuellem Risikoprofil deutlich variieren dürfte. [137] [120] [210]
Überlegungen zur Umsetzung (nach NPIAP/EPUAP/PPPIA, 2025)
- Präventive Silikonschaumverbände nur ergänzend einsetzen: Setzen Sie mehrlagige Silikonschaumverbände nur in Kombination mit anderen Maßnahmen der Druckverletzungsprävention ein, etwa Umpositionierung und geeigneten druckumverteilenden Unterlagen.
- Haut unter dem Verband regelmäßig kontrollieren: Beurteilen Sie die Haut unter dem Silikonschaumverband mindestens einmal täglich, um die Wirksamkeit des Präventionsplans zu überprüfen. Bei Personen mit Inkontinenz ist eine häufigere Beurteilung erforderlich. Auch bei dunkler Hautfarbe bleibt eine regelmäßige Hautkontrolle unter dem Verband notwendig.
- Auswahl des Verbands individuell treffen: Berücksichtigen Sie bei der Auswahl eines Silikonschaumverbands das Risikoprofil der Person, den potenziellen Nutzen, mögliche Auswirkungen auf Feuchtigkeit und Temperatur der Haut, Größe und Design des Verbands, seine Haftung, Präferenzen, Komfort und mögliche Allergien der Person, den Reibungskoeffizienten an der Haut-Verband-Oberfläche sowie Kosten-Nutzen-Verhältnis und Verfügbarkeit.
- Verband sachgerecht anwenden und überwachen: Vermeiden Sie es, mehrere Verbände übereinander unter medizinische Ableitungssysteme anzubringen. Achten Sie auf mögliche Nebenwirkungen wie lokale Hautreizungen und vermeiden Sie beim Entfernen Hautrisse oder epidermale Schäden.
- Verband bei Bedarf zeitnah wechseln: Ersetzen Sie den Silikonschaumverband, wenn er sich gelöst hat, locker geworden oder übermäßig feucht ist oder wenn Verband oder Haut unter dem Verband verschmutzt sind. Beachten Sie dabei die Herstellerangaben.
- Lokale Protokolle entwickeln und an Setting und Population anpassen: Entwickeln Sie lokale Protokolle für die Anwendung präventiver Verbände in Kombination mit anderen Präventionsstrategien für bestimmte anatomische Bereiche. Passen Sie diese Protokolle an Einrichtung, Setting und Population an, um geeignete Personen auszuwählen und eine möglichst frühe Anwendung im Pflegeverlauf zu erleichtern.
- Bei Inkontinenz Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abwägen: Wägen Sie bei Personen mit Inkontinenz Nutzen, Risiken und Kosten-Nutzen-Verhältnis präventiver Verbände sorgfältig ab, insbesondere bei häufigem Durchfall. Ersetzen Sie verschmutzte Verbände nach Inkontinenzereignissen so rasch wie möglich.
- Langzeitanwendung und Hautkontrollen transparent machen: Informieren Sie Personen, die präventive Verbände längerfristig erhalten, darüber, dass regelmäßige Hautinspektionen erforderlich sind und der Verband dafür gelegentlich angehoben und wieder befestigt werden muss. Bewerten Sie die Kosteneffizienz einer langfristigen Anwendung sorgfältig.
- Bei Rückenmarksverletzungen oder sensorischen Beeinträchtigungen besonders vorsichtig vorgehen: Verwenden Sie präventive Verbände bei Personen mit neurologischen oder sensorischen Beeinträchtigungen mit Vorsicht, da sich Verbände lösen oder Ränder aufrollen können, ohne dass dies zuverlässig wahrgenommen wird. Bei Verwendung sollten die Verbände regelmäßig, auch nach jedem Transfer, auf ihre Unversehrtheit überprüft werden.
Quellen
Eine systematische Übersichtsarbeit von Sillmon et al. zeigte, dass prophylaktische Schaumstoffverbände bei kritisch kranken Erwachsenen auf Intensivstationen mit einer Reduktion der sakralen Dekubitus-Inzidenz verbunden waren. Diese Evidenz wird durch randomisierte kontrollierte Studien und eine Meta-Analyse gestützt. Im ICU-Setting zählen prophylaktische Schaumstoffverbände damit zu den vergleichsweise besser untersuchten spezifischen Einzelmaßnahmen. [297]
Die Verbände wirken nicht als Ersatz für Standardmaßnahmen, sondern als additive Komponente innerhalb eines umfassenden Präventionsprogramms. Hautpflege, Repositionierung, geeignete Unterstützungsflächen, Feuchtigkeitsmanagement und Ernährung bleiben weiterhin Bestandteil der Prävention.
Für die Praxis wird beschrieben, dass sakrale Schaumstoffverbände bei Aufnahme auf die Intensivstation oder bei erhöhtem Risiko angelegt werden können und mehrere Tage verbleiben, jedoch regelmäßige Hautkontrollen erfordern, üblicherweise mindestens alle 12 Stunden. Der Verband soll dabei fortlaufend überwacht und bei Bedarf angepasst werden.
Offen bleibt, welcher Verbandstyp bei welchen Patient*innen und zu welchem Zeitpunkt am geeignetsten ist. Unterschiedliche Verbandstypen, Anbringungszeitpunkte und heterogene Patient*innenselektionen erschweren eine präzise Handlungsempfehlung. Auch der zusätzliche Effekt im Vergleich zu bestehenden Präventionsbündeln ist weiterhin unklar. Insgesamt spricht die Evidenz für einen gezielten Einsatz bei Hochrisikopatient*innen in der Intensivpflege.
Quellen
Bedingte Empfehlung
Geringe Evidenzsicherheit: Es wird vorgeschlagen, einen präventiven Verband ergänzend zur Fersenfreilagerung und regelmäßigen Umpositionierung zur Prävention von Druckverletzungen an der Ferse einzusetzen, sofern die verfügbaren Ressourcen dies zulassen. [137]
Sehr geringe Evidenzsicherheit: Es wird vorgeschlagen, bei Verwendung eines präventiven Verbands für die Fersen einen mehrschichtigen weichen Silikonschaumverband zu wählen. [137]
Zu der Frage, wie gut der Einsatz von präventiven Verbänden zur Verhinderung von Druckverletzungen an der Ferse im Vergleich zur Fersenhochpositionierung wirkt, scheint es keine Evidenz zu geben. Die vollständige Entlastung der Ferse von der Auflagefläche gilt als gute klinische Praxis und sollte bei Risikopatient*innen angewendet werden. In allen verfügbaren Studien wurden präventive Verbände zusätzlich zur üblichen Pflege, die eine Fersenhochpositionierung umfasste, verwendet. [137]
Eine Metaanalyse von vier RCTs zeigte, dass präventive Fersenverbände im Vergleich zu keiner präventiven Maßnahme mit einer statistisch signifikant geringeren Häufigkeit von Fersendruckgeschwüren verbunden waren (RR 0,44; 95 % KI 0,21–0,95), entsprechend 21 weniger Fersendruckverletzungen pro 1.000 behandelten Personen. [270] [346] [411] [240]
Die Sicherheit der Evidenz ist gering und wurde aufgrund von Bias herabgestuft. [201]
Die Studien wurden auf Intensivstationen, in Altenpflegeeinrichtungen und in tertiären Krankenhäusern durchgeführt. In allen Studien wurde ein weicher, mehrschichtiger Silikonschaumverband an der Ferse verwendet. Die Fersen wurden täglich kontrolliert; die Verbände wurden alle drei Tage und/oder bei Verschmutzung, Ablösung oder Haftverlust gewechselt. Die Studiendauer lag bei etwa zwei bis vier Wochen. [270] [346] [411] [240]
Eine zweite Metaanalyse von zwei RCTs zeigte, dass ein mehrschichtiger silikonadhäsiver Schaumverband im Vergleich zu einem Polyurethan-Folienverband mit einer statistisch signifikant geringeren Häufigkeit von Fersendruckverletzungen verbunden war (RR 0,59; 95 % KI 0,43–0,80), entsprechend 135 weniger Fersendruckverletzungen pro 1.000 behandelten Personen. Die Sicherheit dieser Evidenz ist jedoch sehr gering und wurde aufgrund von Risiko für Bias und Ungenauigkeit herabgestuft. [331] [56] [137]
Eine dritte Metaanalyse von zwei nicht randomisierten Vergleichsstudien zeigte, dass präventive Fersenverbände im Vergleich zu topischen Produkten mit einer nicht signifikant geringeren Rate an Fersendruckverletzungen verbunden waren (RR 0,89; 95 % KI 0,02–49,24), bei sehr geringer Evidenzsicherheit aufgrund von Bias, Inkonsistenz und Ungenauigkeit. [331] [56] [137]
Für topische Produkte fehlen zudem empirische Belege für einen plausiblen Wirkmechanismus zur Prävention von Druckverletzungen, und es bestehen Bedenken hinsichtlich möglicher unerwünschter Auswirkungen auf die Hautbarriere. [201]
Die Daten zu unerwünschten Wirkungen weicher, mehrschichtiger Silikonschaumverbände waren begrenzt. In einer großen Studie wurden unerwünschte Wirkungen bei 3 % der Teilnehmenden berichtet; sie wurden nicht als schwerwiegend eingestuft. [270]
Eine Kostenanalyse aus der Intensivpflege deutete darauf hin, dass der Einsatz solcher Verbände wirtschaftlich sein kann, die Übertragbarkeit auf andere klinische und geografische Kontexte ist jedoch eingeschränkt, und die Kosteneffizienz dürfte je nach Setting und Anwendungsdauer variieren. [120]
Die Evidenz spricht dafür, dass weiche, mehrlagige Silikonschaum-Präventivverbände an der Ferse zusätzlich zur üblichen Pflege, einschließlich Fersenhochpositionierung, mit einer geringeren Häufigkeit von Fersendruckverletzungen verbunden sein können. Wenn sie verfügbar sind und die Ressourcen es zulassen, können sie als zusätzliche Präventionsmaßnahme eingesetzt werden. [137]
Überlegungen zur Umsetzung (nach NPIAP/EPUAP/PPPIA, 2025)
- Fersen weiterhin entlasten und umpositionieren: Positionieren Sie die Fersen weiterhin erhöht und führen Sie regelmäßige Umpositionierungen durch, auch wenn ein präventiver Fersenverband angelegt ist.
- Präventive Fersenverbände frühzeitig anwenden: Legen Sie präventive Fersenverbände, sofern verwendet, so früh wie möglich im Pflegeverlauf an.
- Fersen trotz Verband regelmäßig inspizieren: Untersuchen Sie die Fersen täglich oder häufiger auf Anzeichen von Druckverletzungen, indem Sie die Haut unter dem präventiven Verband beurteilen. Die Verwendung eines präventiven Verbandes ersetzt die Ferseninspektion nicht. Um die tägliche Hautinspektion zu erleichtern, kann ein lokales Verfahren entwickelt werden, mit dem präventive Verbände eindeutig gekennzeichnet werden.
- Bei gehfähigen Personen auf sicheres Gehen achten: Ermutigen Sie gehfähige Personen, gut sitzende Schuhe oder rutschfeste Socken zu tragen, um ein Ausrutschen beim Gehen mit präventivem Verband zu verhindern.
- Verband regelhaft und bei Bedarf wechseln: Wechseln Sie den präventiven Verband gemäß den Empfehlungen des Herstellers und ersetzen Sie ihn, wenn er verschmutzt, zu feucht, locker oder abgelöst ist.
- Verband bei Bedarf zusätzlich sichern: Befestigen Sie den präventiven Verband gegebenenfalls mit einem passend angepassten Schlauchverband, um ein Aufrollen der Ränder oder ein Verrutschen durch Reibung zu vermeiden.
Quellen
Good Practice Statement
Es ist bewährte Praxis, die Haut regelmäßig zu untersuchen bzw. zu evaluieren und eine strukturierte Hautpflege durchzuführen. [137]
Bedingte Empfehlung
Sehr geringe Evidenzsicherheit: Für die routinemäßige Anwendung von topischen Hautprodukten ohne Abwaschen zur Prävention von Druckverletzungen liegt keine Empfehlung vor. Dies gilt auch für die Anwendung an den Fersen.
Strukturierte Hautpflegeroutinen umfassen eine sanfte Reinigung und Trocknung der Haut sowie, falls angezeigt, die Anwendung von Produkten zur Hydratation, zum Schutz vor Feuchtigkeit und zur Linderung von Zeichen trockener Haut. Sie können dazu beitragen, die Hautintegrität zu erhalten oder zu verbessern und die Toleranz der Haut gegenüber mechanischer Belastung zu unterstützen, indem Risiken wie Mazeration und Entzündungen verringert werden. [75]
Die Bezeichnungen topischer Produkte wie Creme, Feuchtigkeitscreme oder Öl sind uneinheitlich und charakterisieren die Produkte häufig nicht genau. Viele dieser Präparate bestehen aus Mischungen unterschiedlicher Inhaltsstoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften und Funktionen. Aufgrund der großen Vielfalt und eingeschränkten Vergleichbarkeit topischer Produkte wurden in der Guideline alle leave-on-Produkte, darunter Öle, Cremes und Emulsionen, gemeinsam berücksichtigt. [340]
In einer Metaanalyse von neun RCTs wurde ein topisches Hautpflegeprodukt zum Eincremen mit keiner Hautpflege zur Prävention von Druckverletzungen verglichen. Die Anwendung eines topischen Hautpflegeprodukts war mit einer niedrigeren Rate an Druckverletzungen verbunden (16,7 % vs. 23,3 %; RR 0,52; 95 % KI 0,41–0,66; p < 0,001), entsprechend 112 weniger Druckverletzungen pro 1.000 behandelten Personen. Die Evidenz ist jedoch sehr unsicher, da der tatsächliche Effekt zwischen 138 weniger und 79 weniger Fällen pro 1.000 Personen liegen kann. Untersucht wurden überwiegend pflanzenbasierte Produkte, darunter Aloe-vera-Gel sowie Pflanzen- und Samenöle. [50] [275] [338] [181] [260] [280] [105] [57] [137] [212]
In einer weiteren Metaanalyse zum Vergleich verschiedener topischer Hautprodukte mit Placebo traten unter einem topischen Produkt häufiger unerwünschte Ereignisse auf, der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant (0,6 % vs. 0 %; RR 4,38; 95 % KI 0,50–38,30; p = 0,18). Auch hierfür bestand nur geringe Evidenzsicherheit. [201]
Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Pflanzen- und Samenöle bei beeinträchtigter Hautbarriere ungeeignet sein können, da eine Störung der Hornschicht mit Hautreizungen und anderen unerwünschten Ereignissen verbunden sein kann. [415]
Für die Prävention von Fersendruckverletzungen liegt eine RCT vor, in der Süßmandelöl mit keiner Anwendung eines leave-on-Produkts verglichen wurde. Das Mandelöl wurde sieben Tage lang einmal täglich ohne Massage auf die Fersen aufgetragen, während die Kontrollgruppe die übliche Fersenpflege ohne leave-on-Produkt erhielt. Dabei zeigte sich eine nicht signifikant niedrigere Rate an Fersendruckgeschwüren unter dem leave-on-Produkt (0 % vs. 5,6 %; RR 0,19; 95 % KI 0,01–4,08), entsprechend 45 weniger Fällen pro 1.000 behandelten Personen, bei einer Spannweite von 55 weniger bis 171 mehr Fällen. Wegen Verzerrungsrisiken und Ungenauigkeit ist die Evidenz sehr unsicher. In der Studie wurden unter Mandelöl keine unerwünschten Ereignisse berichtet. [338]
Es gibt jedoch Hinweise, dass pflanzliche Öle bei Personen mit beeinträchtigter Hautbarriere möglicherweise ungeeignet sind, da sie die Hornschicht schädigen und Hautirritationen sowie andere unerwünschte Ereignisse verursachen können. [95]
Im Rahmen einer aktuellen Leitlinie zum Thema Druckverletzungen konnte aufgrund fehlender Evidenz zu Wirkmechanismen und methodischer Schwächen der Studien unabhängig von der Lokalisation keine Empfehlung für den routinemäßigen Einsatz von leave-on-Produkten zur Prävention von Druckverletzungen ausgesprochen werden. [137]
Überlegungen zur Umsetzung (nach NPIAP/EPUAP/PPPIA, 2025)
- Haut regelmäßig und systematisch beurteilen: Beurteilen Sie die Haut regelmäßig von Kopf bis Fuß, insbesondere bei Hautpflege und Positionswechseln. Schließen Sie dabei auch Kopfhaut und behaarte Areale ein und dokumentieren Sie Hautveränderungen mit präziser Terminologie und genauer anatomischer Lokalisation.
- Hautpflege individuell planen: Entwickeln Sie eine individuelle Hautpflegeroutine und legen Sie die Reinigungsfrequenz bedarfsgerecht fest. Berücksichtigen Sie dabei Hautzustand, Feuchtigkeit und Verschmutzung, Einflussfaktoren auf die Hautintegrität, das lokale Klima sowie kulturelle Gewohnheiten und Präferenzen der betroffenen Person.
- Hautschonend reinigen und trocknen: Reinigen und trocknen Sie die Haut mit leichtem Druck und vermeiden Sie belastende oder irritierende Maßnahmen.
- Feuchtigkeitsbalance der Haut erhalten: Achten Sie darauf, dass die Haut weder austrocknet noch übermäßig feucht ist. Reduzieren Sie unnötigen Wasserkontakt und erwägen Sie bei trockener Haut lipophile, nicht abwaschbare Hautpflegeprodukte.
- Geeignete Hautpflegeprodukte auswählen und sicher anwenden: Wählen Sie Reinigungsprodukte und topische Produkte mit hautnahem, leicht saurem pH-Wert und wenden Sie diese gemäß den Herstellerangaben an. Beobachten Sie mögliche unerwünschte Reaktionen wie Kontaktdermatitiden.
- Klinische Ziele und persönliche Bedürfnisse bei der Produktauswahl berücksichtigen: Greifen Sie bei der Auswahl von Hautpflegeprodukten auf einschlägige Leitlinien und Evidenz zurück, insbesondere wenn neben der Druckverletzungsprävention weitere klinische Ziele verfolgt werden. Berücksichtigen Sie dabei auch psychosoziale und kulturelle Aspekte sowie Präferenzen der betroffenen Person.
- Reibung und mechanische Belastung vermeiden: Vermeiden Sie kräftiges Reiben oder Massieren der Haut, auch beim Auftragen von topischen Produkten, die auf der Haut verbleiben.
- Mikroklima und okzipitale Belastung beachten: Erwägen Sie bei erhöhter allgemeiner Körperfeuchtigkeit mikroklimasteuernde Ganzkörperauflagen. Entfernen oder berücksichtigen Sie Haare, Haaraccessoires und Extensions, wenn diese das Risiko okzipitaler Druckbelastung erhöhen. Ist eine Entfernung nicht möglich, sollten druckentlastende Alternativen geprüft werden.
- Bei Inkontinenz Hautexposition gezielt minimieren: Untersuchen Sie hautgefährdete Areale bei Exposition gegenüber Urin oder Stuhl auf Anzeichen einer inkontinenzassoziierten Dermatitis und arbeiten Sie mit der betroffenen Person sowie dem interdisziplinären Team an Strategien zur Reduktion dieser Exposition.
- Geeignete Inkontinenzprodukte verwenden und rasch wechseln: Wählen Sie geeignete Inkontinenzprodukte, vermeiden Sie eine okklusive Hautabdeckung durch undurchlässige Materialien und wechseln Sie absorbierende Produkte möglichst rasch nach Inkontinenzereignissen.
- Besonderheiten dunkel pigmentierter Haut berücksichtigen: Achten Sie bei dunkel pigmentierter Haut besonders auf einen ausgeglichenen Feuchtigkeitshaushalt, da diese zu vermehrter Trockenheit neigen kann und unter Umständen intensivere Feuchtigkeitspflege benötigt.
Quellen
Good Practice Statement
Es ist bewährte Praxis, bei Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen ein Ernährungsscreening durchzuführen. [137]
Es ist bewährte Praxis, bei jenen Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen, die im Ernährungsscreening als mangelernährungsgefährdet identifiziert wurden, ein umfassendes Ernährungsassessment durchzuführen. Diese Ergebnisse sollten zur Entwicklung eines individuellen Ernährungspflegeplans verwendet werden. [137]
Es ist bewährte Praxis, Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen zu einer ausgewogenen Ernährung mit nährstoffreichen Lebensmitteln und ausreichender Flüssigkeitszufuhr anzuhalten. [137]
Es ist bewährte Praxis, alle angemessenen Anstrengungen zu unternehmen, um die orale Ernährung aufrechtzuerhalten und zu fördern. Wenn die orale Nahrungsaufnahme unzureichend ist, sollte nicht automatisch angenommen werden, dass eine Sondenernährung zwingend erforderlich ist. Jeder Entscheidung sollte einer umfassenden, multidisziplinären Beurteilung der Versorgungsziele, Vor- und Nachteile, Risiken und Präferenzen der betroffenen Person vorausgehen. [137]
Starke Empfehlung
Sehr geringe Evidenzsicherheit: Sondenernährung wird nicht empfohlen, wenn sie ausschließlich dem Ziel dient, Druckverletzungen bei Personen mit bestehender oder drohender Mangelernährung und gleichzeitigem Risiko für Druckverletzungen vorzubeugen. Klarstellung: Diese Empfehlung betrifft nicht Personen, die Sondenernährung im Rahmen ihrer üblichen klinischen Versorgung erhalten, kritisch kranke Personen sowie pädiatrische oder neonatale Patient*innen, bei denen Sondenernährung erforderlich ist. [137]
Bedingte Empfehlung
Geringe Evidenzsicherheit: Für Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen, bei denen eine Mangelernährung oder ein Risiko für Mangelernährung festgestellt wurde, wird eine ernährungsbezogene Supplementierung empfohlen, wenn der Nährstoffbedarf durch die normale Nahrungsaufnahme nicht gedeckt wird. [137]
Sehr geringe Evidenzsicherheit: Für Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen, bei denen eine Mangelernährung oder ein Risiko für Mangelernährung festgestellt wurde, wird eine Proteinsupplementierung empfohlen. [137]
Sehr geringe Evidenzsicherheit: Es wird empfohlen, kohlenhydratbasierte Energie- und Mikronährstoffsupplemente nur bei Personen mit bekannter Mangelernährung oder Mikronährstoffdefiziten einzusetzen. Dies soll zusätzlich zu einer Supplementierung erfolgen, die den Proteinbedarf deckt. [137]
Screening, Assessment, individuelle Betreuung und Evaluation gelten als zentrale Bestandteile der Versorgung. Für die Ernährungsbeurteilung wird ein zweistufiges Vorgehen beschrieben: ein initiales Ernährungsscreening und, bei entsprechendem Ergebnis, ein umfassendes Ernährungsassessment.
Ein Ernährungsscreening ist mit einer Verringerung der Druckgeschwürraten und einer kürzeren Krankenhausaufenthaltsdauer assoziiert. Die Identifikation von Personen mit Ernährungsrisiko ermöglicht eine frühere Umsetzung von Ernährungsinterventionen. [345]
Das Screening kann grundsätzlich von allen Mitgliedern des Gesundheitsteams durchgeführt werden, idealerweise mit entsprechender Schulung. Verwendet werden sollten einfache, valide und verlässliche Instrumente, die zur jeweiligen Person passen und Demografie, Kontext und soziale Determinanten der Gesundheit berücksichtigen. Bei wesentlichen Veränderungen des klinischen Zustands sollte ein erneutes Screening erfolgen. [137]
Personen mit Risiko für Druckverletzungen, bei denen eine Mangelernährung oder ein Risiko für Mangelernährung festgestellt wurde, sollten zur umfassenden Ernährungsbeurteilung an Diätologinnen, Ernährungsberaterinnen oder ein interprofessionelles Ernährungsteam überwiesen werden. [101]
Eine umfassende Ernährungsbeurteilung umfasst einen systematischen Prozess der Datenerhebung, Prüfung, Interpretation und Dokumentation des Ernährungszustands. Darauf aufbauend wird ein individueller Ernährungsmanagementplan erstellt, der an den Ergebnissen des Assessments ausgerichtet ist. [263]
Bei den meisten Personen kann der Nährstoffbedarf über eine gesunde orale Ernährung gedeckt werden. Empfehlungen zur Nahrungsaufnahme orientieren sich an individuellen Umständen wie Gesundheitszustand, Lebensstil, Demografie und geografischem Kontext. [227] [238] [88] [221] [303] [230] [418] [121] [330] [237] [74] [232] [191] [143] [69] [283]
Wasser ist für den Transport von Nährstoffen und die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten wichtig; bei gesunden, ausreichend hydrierten Menschen stammen mindestens 20 % der gesamten Wasseraufnahme aus Nahrung und Stoffwechselwasser. [312]
Quellen
Für Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen, bei denen eine Mangelernährung oder ein Risiko für Mangelernährung festgestellt wurde, wird eine ernährungsbezogene Supplementierung empfohlen, wenn der Nährstoffbedarf durch die normale Nahrungsaufnahme nicht gedeckt wird. [137]
Eine Metaanalyse von 13 RCTs zeigte, dass Nahrungsergänzungsmittel bei Personen mit Risiko für Druckverletzungen und Ernährungsrisiko mit einer statistisch signifikant geringeren Rate an Druckverletzungen assoziiert waren (OR 0,75; 95 % KI 0,61–0,91), entsprechend 24 weniger Druckverletzungen pro 1.000 behandelten Personen. Die Sicherheit der Evidenz ist jedoch sehr gering; sie wurde aufgrund von Biasrisiko und Indirektheit herabgestuft. Die untersuchten Regime umfassten vor allem kohlenhydratbasierte Supplemente, teilweise proteinreiche Präparate, krankheitsspezifische Formulierungen sowie teils Vitamine und Mineralstoffe; eine Intervention bestand ausschließlich aus Protein. Die Kontrollgruppen erhielten meist eine Standard-Krankenhausdiät. [241] [320] [115] [125] [385] [361] [123] [278] [70] [370] [387] [314] [354] [137]
Eine Metaanalyse von Chen et al. zeigte keinen Unterschied in der Mortalität zwischen Nahrungsergänzung und Kontrolle. [265]
Quellen
Für Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen, bei denen eine Mangelernährung oder ein Risiko für Mangelernährung festgestellt wurde, wird eine Proteinsupplementierung empfohlen. [137]
Eine Metaanalyse von vier RCTs zur Proteinsupplementierung zeigte eine nicht signifikant niedrigere Rate an Druckverletzungen unter Proteinsupplementierung im Vergleich zu keiner Proteinsupplementierung (RR 0,75; 95 % KI 0,49–1,14), entsprechend sieben weniger Druckverletzungen pro 1.000 behandelten Personen, bei sehr geringer Evidenzsicherheit. Die Evidenz wurde wegen Biasrisiko, Ungenauigkeit und Indirektheit herabgestuft. Die Proteinsupplementierungsregime waren überwiegend individuell angepasst; die Kontrollgruppen erhielten meist eine Standard-Krankenhausdiät. [241] [115] [361] [278] [380]
Quellen
Es wird empfohlen, kohlenhydratbasierte Energie- und Mikronährstoffsupplemente nur bei Personen mit bekannter Mangelernährung oder Mikronährstoffdefiziten einzusetzen. Dies soll zusätzlich zu einer Supplementierung erfolgen, die den Proteinbedarf deckt. [137]
Eine Metaanalyse von drei RCTs zur kohlenhydratbasierten Energie-, Protein- und Mikronährstoffsupplementierung mit Zink und Vitamin C zeigte eine nicht signifikant geringere Rate an Druckgeschwüren im Vergleich zu keiner Supplementierung (RR 0,92; 95 % KI 0,71–1,19). Die Sicherheit der Effektschätzung ist begrenzt; die Evidenz wurde aufgrund von Biasrisiko herabgestuft. Verwendet wurden Formulierungen mit 400–700 kcal/Tag, davon 50–55 % Kohlenhydrate, 20–36 % Fett und 14–30 % Protein. Die Mikronährstoffe wurden nicht auf individuell festgestellte Defizite abgestimmt. Die Kontrollintervention war in allen Studien eine Standard-Krankenhausdiät. Untersucht wurden überwiegend hospitalisierte ältere Erwachsene mit Risiko für Mangelernährung; nur ein kleiner Teil war tatsächlich mangelernährt, spezifische Vitamin- oder Mineralstoffmängel wurden nicht untersucht. Angaben zu unerwünschten Wirkungen waren begrenzt und wurden nur in einer Studie berichtet, die keinen signifikanten Unterschied bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen feststellte. [320] [125] [123] [380]
Quellen
Bedingte Empfehlung
Sehr geringe Evidenzsicherheit: Bei Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen, wird Pflegepersonen und anderen Gesundheitsberufen die Implementierung präventiver Pflegebündel empfohlen. [2]
Präventive Pflegebündel bezeichnen ein integriertes Set aus zwei oder mehr evidenzbasierten Interventionen, die gemeinsam implementiert werden, um eine standardisierte Versorgungsweise sicherzustellen. Werden diese Interventionen gemeinsam durchgeführt, können sie zu besseren Ergebnissen führen als bei isolierter Anwendung einzelner Maßnahmen. [310]
Die zu diesem Thema identifizierte Evidenz umfasste eine systematische Übersichtsarbeit mit einer randomisierten kontrollierten Studie und 19 nicht-randomisierten Studien sowie fünf weitere nicht-randomisierte Studien zu präventiven Pflegebündeln bei Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen. Die meisten Studien bezogen sich auf Erwachsene, überwiegend im intensivmedizinischen Setting; eine Studie untersuchte Kinder über einem Monat auf einer pädiatrischen Intensivstation. Die in den Pflegebündeln enthaltenen Interventionen umfassten unter anderem die Einschätzung des Risikos für Druckverletzungen, Hautbeurteilung, Ernährungsmanagement, Aktivitätsmanagement, Schulungen zur Prävention von Druckverletzungen sowie weitere Maßnahmen. [43] [202] [281] [355] [290] [54] [2]
In der randomisierten kontrollierten Studie der systematischen Übersichtsarbeit war die Inzidenz von Druckverletzungen jeglichen Stadiums in der Gruppe mit präventivem Pflegebündel niedriger als in der Kontrollgruppe (RR 0,42; 95 %-KI 0,24–0,76). Dies entspricht 31 weniger Druckverletzungen pro 100 Personen, die ein präventives Pflegebündel erhielten, mit einer Spannweite von 13 bis 40 weniger. Für Druckverletzungen Kategorie/Stadium II zeigte sich ebenfalls eine geringere Inzidenz in der Interventionsgruppe (RR 0,38; 95 %-KI 0,14–1,02), entsprechend 12 weniger Fällen pro 100 Personen, bei einer Spannweite von 16 weniger bis keinen Unterschied. Die 19 nicht-randomisierten Studien berichteten durchgehend über eine reduzierte Inzidenz von Druckverletzungen nach Implementierung gebündelter Versorgungsinterventionen; aufgrund fehlender Angaben und heterogener Berichterstattung konnte jedoch keine gepoolte Effektgröße berechnet werden. [43]
Drei nicht-randomisierte Studien berichteten über die Compliance der Gesundheitsberufe. Eine Studie zeigte eine Compliance von 85 % in der Interventionsgruppe gegenüber 50 % in der Kontrollgruppe, eine weitere eine um fünf Prozentpunkte höhere Compliance in der Pflegebündel-Gruppe, und eine dritte Studie berichtete über eine hohe Compliance von 78,9 %. Pflegebündel können die Compliance der Leistungserbringenden erhöhen; die Evidenz hierzu ist jedoch sehr unsicher. [281] [290] [54]
Eine in der systematischen Übersichtsarbeit von Lin et al. enthaltene, nicht-randomisierte Qualitätsverbesserungsstudie berichtete über die Zufriedenheit der betroffenen Personen. Von 213 befragten Patient*innen zeigten sich 97 % mit der Intervention zufrieden. [43]
Vorläuferzeichen und -symptome von Druckverletzungen wurden indirekt über die Inzidenz von Druckverletzungen der Kategorie I erfasst. Drei nicht-randomisierte Studien berichteten, dass die Inzidenz von Druckverletzungen der Kategorie I nach Implementierung eines präventiven Pflegebündels im Vergleich zur Situation vor der Implementierung abnahm. Pflegebündel können Vorläuferzeichen und -symptome von Druckverletzungen reduzieren; die Evidenz ist jedoch sehr unsicher. [202] [355] [290]
Unerwünschte Ereignisse wurden in der vorhandenen Literatur nicht erfasst. In den Studien wurden keine Schäden berichtet. Im Rahmen einer aktuellen Leitlinie der Registered Nurses’ Association of Ontario (RNAO) war die Gesamtbewertung der Evidenzsicherheit der vorhandenen Literatur sehr niedrig, bedingt durch ein schwerwiegendes bis sehr schwerwiegendes Verzerrungsrisiko über alle Endpunkte hinweg sowie durch unzureichende Präzision bei zwei Endpunkten. Dennoch wird Pflegepersonen und anderen Gesundheitsberufen empfohlen, präventive Pflegebündel bei Personen mit einem Risiko für Druckverletzungen zu implementieren. Die Stärke der Empfehlung wurde als bedingt bewertet, bei sehr niedriger Sicherheit der Evidenz hinsichtlich der Effekte. Dabei wird im Rahmen der Leitlinie betont, dass präventive Pflegebündel personenzentriert umgesetzt und die enthaltenen Strategien individuell angepasst werden sollen. Hervorgehoben wurde auch die besondere Bedeutung präventiver Pflegebündel für Personen mit dunkleren Hauttönen beziehungsweise in Regionen mit einem höheren Anteil an Menschen mit dunkleren Hauttönen, da frühe Anzeichen von Druckverletzungen bei diesen Personen leichter übersehen werden können. [2]
Als Beispiel für ein präventives Pflegebündel zur Vermeidung von Druckverletzungen wird das SSKIN-Bundle angeführt:
[187]
Überlegungen zur Umsetzung (nach RNAO, 2024)
- Umsetzbarkeit im lokalen Kontext prüfen: Prüfen Sie vor der Einführung eines präventiven Pflegebündels, ob die Umsetzung im jeweiligen Versorgungskontext unter Berücksichtigung vorhandener Technologien und verfügbarer personeller sowie materieller Ressourcen realistisch ist.
- Pflegebündel personenzentriert anpassen: Passen Sie präventive Pflegebündel an die individuelle Situation der betroffenen Person und an das jeweilige Versorgungsetting an. Berücksichtigen Sie dabei personenzentrierte Versorgung und partizipative Entscheidungsfindung.
- Betroffene und Betreuungspersonen informieren und anleiten: Informieren Sie betroffene Personen und ihre Betreuungspersonen über Ziel, Inhalte und Anwendung des Pflegebündels und leiten Sie sie entsprechend an.
- Pflegebündel standardisiert und konsistent umsetzen: Setzen Sie präventive Pflegebündel systematisch um, um eine verlässliche Durchführung und eine sorgfältige Evaluation zu ermöglichen. Standardisierte Behandlungsanordnungen können die Implementierung unterstützen.
- Rückmeldungen für Weiterentwicklung nutzen: Berücksichtigen Sie Erfahrungen und Rückmeldungen zur Wirksamkeit des Pflegebündels bei Überarbeitungen und in der weiteren Planung, um eine kontinuierliche Verbesserung der Versorgung zu fördern.
- Pflegebündel bei Bedarf spezifisch ausrichten: Passen Sie präventive Pflegebündel bei Bedarf an besondere Risikosituationen an, etwa an medizinproduktbezogene Druckverletzungen, und integrieren Sie dafür geeignete spezifische Maßnahmen.
Quellen
In Bezug auf professionell Pflegende gelten Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Pflegefachpersonen und andere Gesundheitsberufe als wichtiger Bestandteil der Prävention von Druckverletzungen. Kontinuierliche berufliche Weiterbildung unterstützt die Anwendung evidenzbasierter Verfahren, stärkt fachliche Kompetenzen und kann zur Verbesserung der Versorgungsqualität beitragen. [308]
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse von Kitamura et al. (2023) zeigte, dass gut konzipierte Bildungsinterventionen das Wissen von Pflegefachpersonen signifikant verbessern und in mehreren Studien auch mit einer Reduktion der Druckverletzungsinzidenz verbunden waren. [249]
Besonders wirksam erscheinen Bildungsprogramme, die interaktiv und praxisnah gestaltet sind. Häufig eingesetzte Formate sind Workshops, Fallbesprechungen oder praktische Demonstrationen am Patient*innenbett. Reine Informationsvermittlung oder einmalige Schulungen zeigen dagegen meist geringere Effekte.
Die Evidenz deutet darauf hin, dass nachhaltige Prävention nicht allein durch Wissensvermittlung entsteht. Neben individueller Kompetenz spielen organisatorische Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle, etwa ausreichende personelle Ressourcen, geeignete Hilfsmittel sowie eine unterstützende Organisationskultur.
Bildungsinterventionen für Pflegefachpersonen sollten daher idealerweise nicht als isolierte Maßnahme, sondern als Teil eines umfassenden Qualitäts- und Präventionsprogramms verstanden werden. [249]
Quellen
Mit Blick auf die Betroffenenperspektive zeigt sich ein ähnliches Bild. Einer systematischen Übersichtsarbeit von Engelen et al. (2021) zufolge können Selbstmanagementinterventionen ebenfalls einen Beitrag zur Prävention von Druckverletzungen leisten, insbesondere wenn sie über reine Informationsvermittlung hinausgehen. Programme mit höherer Intensität, praktischer Anleitung und psychologischer Unterstützung zeigen die größten Erfolgsaussichten. [45]
Die Übersichtsarbeit zeigt, dass Selbstmanagementprogramme für Menschen mit erhöhtem Dekubitusrisiko sehr unterschiedlich aufgebaut sind. In den meisten Interventionen war Informationsvermittlung enthalten, während praktische Trainingsanteile, psychologische Strategien oder strukturierte Nachbetreuung deutlich seltener integriert wurden.
Ein konsistentes Ergebnis der Studien ist, dass reine Informationsangebote wie etwa Broschüren oder einmalige Schulungen, zwar häufig zu einem Wissenszuwachs führen, jedoch nur selten nachhaltige Verhaltensänderungen oder klinische Verbesserungen bewirken. Präventives Verhalten wie regelmäßige Druckentlastung, Hautkontrollen oder die konsequente Umsetzung präventiver Routinen erfordert meist mehr als Wissen allein.
Interventionen mit höherer Intensität, mehreren Kontaktmomenten und längerem Follow-Up zeigen deutlich größere Erfolgsaussichten. Besonders wirksam erscheinen Programme, die praktische Trainingsanteile mit Coaching-Elementen, Zielsetzung, Problemlösestrategien und der Förderung von Selbstwirksamkeit kombinieren.
Die Evidenz bleibt jedoch heterogen. Es existiert kein einheitlicher Standard zur Messung von Selbstmanagement, und die Studien verwenden unterschiedliche Endpunkte. Zudem haben bestimmte Risikogruppen – etwa Menschen mit Rückenmarksverletzungen – komplexe Unterstützungsbedarfe, die über einfache edukative Maßnahmen hinausgehen.
Die verfügbaren Daten legen nahe, Selbstmanagement nicht als einmalige Schulungsmaßnahme zu verstehen, sondern als kontinuierlichen, unterstützten Prozess innerhalb eines umfassenden Präventionskonzepts. [45]
Quellen
Bei pädiatrischen Patient*innen wurden verschiedene Pflegeinterventionen zur Prävention von Druckverletzungen beschrieben. Diese betreffen insbesondere medizinische Geräte, Positionierung und Mobilisierung, Feuchtigkeitsmanagement, Ernährungsmanagement, Schulung des Pflegepersonals sowie Interventionsbündel. [269]
Medizinische Geräte stellen bei pädiatrischen Patient*innen eine häufige Ursache für Druckverletzungen dar. Beschrieben werden Maßnahmen wie das regelmäßige Rotieren oder Neupositionieren von Geräten, deren möglichst frühzeitige Entfernung sowie das Anbringen von Schaumstoff- oder anderen prophylaktischen Verbänden unter medizinischen Geräten, um Druck und Hautverletzungen zu reduzieren. Bei nicht-invasiver Beatmung besteht ein erhöhtes Risiko für Druckverletzungen, insbesondere am Nasenrücken, an der Stirn, am Ohrknorpel und am Hinterkopf. In diesem Zusammenhang werden die regelmäßige Entfernung der Maske, die Beurteilung der Druckpunkte sowie eine passende Größenwahl, Zentrierung und sichere, aber nicht zu straffe Fixierung beschrieben [269]
Zur Positionierung und Mobilisierung werden regelmäßige Repositionierung, Kopfdrehung bei eingeschränkter Umlagerungsmöglichkeit, Freilagerung der Fersen sowie die Vermeidung harter Gegenstände unter dem Kind beschrieben. Mobilisierung, insbesondere Känguru-Pflege, zeigte bemerkenswerte Ergebnisse bei der Prävention von Druckverletzungen. Druckumverteilende Unterstützungsoberflächen wie Spezialmatratzen können eingesetzt werden, um die Gewebetoleranz zu verbessern, Scherkräfte zu reduzieren und das Mikroklima zu optimieren, müssen jedoch an Größe, Gewicht und Alter des Kindes angepasst werden und ersetzen das Drehen und Umpositionieren nicht. [269]
Feuchtigkeit, etwa im Windelbereich oder unter Tracheostomiekanülen, wird als Risikofaktor beschrieben. Barrierecremes können unterstützend eingesetzt werden. Auch der Ernährungsstatus beeinflusst die Hautintegrität, weshalb eine adäquate Ernährung und die Einbindung von Diätassistent*innen als Bestandteil einer multiprofessionellen Versorgung beschrieben werden. [269]
Pflegekräfte müssen geschult werden, um Risiken und präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Druckverletzungen zu erkennen und anzuwenden. Darüber hinaus wird beschrieben, dass interprofessionelle und multifaktorielle Interventionsbündel international mit einer Reduktion der Druckverletzungsrate verbunden waren, auch wenn häufig unklar bleibt, welche Einzelinterventionen den größten Effekt haben. [269]
Für Neugeborene, insbesondere Frühgeborene, wird die besondere Vulnerabilität der unreifen Haut hervorgehoben. Beschrieben werden eine sanfte Hautpflege mit pH-neutralen Reinigungsmitteln, die Vermeidung unnötiger Reibung, sorgfältiges Trocknen, der Einsatz feuchtigkeitsspendender und rückfettender Hautpflegemittel, eine schonende Entfernung von Klebstoffen sowie ein sparsamer Einsatz medizinischer Klebebänder. Wie bei älteren Kindern ist auch bei Neugeborenen der Schutz vor druckbedingten Hautschädigungen durch medizinische Geräte von zentraler Bedeutung. [259]
Quellen
Drei systematische Übersichtsarbeiten zeigen übereinstimmend, dass Druckverletzungen bei kritisch kranken Patient*innen häufig auftreten und durch strukturierte Präventionsstrategien reduziert werden können. Die Evidenz ist jedoch methodisch heterogen, viele eingeschlossene Studien weisen ein erhöhtes Verzerrungsrisiko auf, und Metaanalysen sind nur eingeschränkt möglich. Die Richtung der Effekte ist weitgehend konsistent, die Stärke der Effekte bleibt jedoch teilweise unsicher. [58] [146] [152]
Die Evidenz weist darauf hin, dass nicht einzelne Maßnahmen im Vordergrund stehen, sondern das Zusammenspiel mehrerer Interventionen. Multimodale Präventionsbündel, die unter anderem Hautinspektion, Risikobewertung, Positionierungsmanagement, geeignete Unterstützungsflächen, Feuchtigkeitskontrolle und Schulung des Personals umfassen, waren wiederholt mit einer reduzierten Inzidenz von Druckverletzungen verbunden. Prävention auf Intensivstationen wird damit als strukturierter, mehrkomponentiger Prozess beschrieben. [58] [146] [152]
Die regelmäßige Hautinspektion wird als zentrale Grundlage der Prävention beschrieben, da frühe Hautveränderungen ein rechtzeitiges Gegensteuern ermöglichen. Auch eine systematische Risikobewertung ist Bestandteil der Präventionsstrategien; Instrumente wie die Braden-Skala können dabei unterstützend eingesetzt werden, ersetzen jedoch nicht das klinische Urteil. [58] [152]
Für das Positionierungsmanagement zeigt sich ein differenziertes Bild. Die zweistündliche Umpositionierung wird häufig als Standard beschrieben, einzelne Studien legen jedoch nahe, dass bei Verwendung hochwertiger Unterstützungsflächen auch längere Intervalle möglich sein können. Entscheidend ist damit nicht allein das Zeitintervall, sondern das Zusammenspiel von individueller Risikolage, Unterstützungsfläche und klinischer Beobachtung. [58] [146]
Spezielle Unterstützungsflächen, darunter Wechseldruck- und Low-Air-Loss-Systeme, werden als Bestandteil der Prävention bei kritisch kranken Patient*innen beschrieben. Auch für einzelne topische Interventionen wie Olivenöl oder hyperoxygenierte Fettsäuren wurden positive Effekte berichtet, die Evidenz hierfür ist jedoch begrenzt. [58] [146] [152]